Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-588074
noch nicht verstand, die Wirkung des Lichtes, der Atmosphäre und des Staubes, 
Rauches und Kotes ans die Menschen darznstelleu, überhaupt immer, dem National: 
iharakter entsprechend, das Ganze über dem einzelnen vergaß, ein Studium der Lichts 
nnd Farbenwerte auch noch gar nicht kannte. 
Die Erwählnng des Prinzen Otto zum König von Griechenland, führte 
nun auch Heß dorthin, wie soviele Münchener Künstler vor und nach ihm, so daß 
durch den romantischen Enthusiasmus des Königs Ludwig, diese doch gerade nicht 
allzu riihmliche Episode heute noch ihre Denkmale überall in München hinterlassen 
hat, ja sogar das Propyläenthor ihr kurz vor den1 Momente gewidmet ward, wo 
sie durch die Vertreibung des Königs Otto ihren unerbaulichen Abschluß fand. 
Heß hat ihr denn auch eine Menge Bilder gewidmet, zunächst das große, den 
Einzng des Königs Otto in Nauplia darstellende. CN. Pinakothek.J Weil es nur selbst 
Gesehenes und Erlebtes schildert, aber auch ob des eminente11 1nalerischen Talentes, 
das er bei der Erzählung des Hergangs e11twickelt, kann man es wohl als seine beste 
Arbeit bezeichnen. Hier sind überdies die Charaktere meist vortrefflich gelungen. Das 
Bild interessiert aber auch dadurch, daß es einem durch seine anffällige, aber echt 
deutsche Pedanterie, die alles mit gleicher Sorgfalt behandelt, nichts unterzuordnen 
versteht, vollständig deutlich macht, wie wenig die Bayern zu den Griechen paßten. 
J1nmerhin ist dieses Werk ein Denkmal der Zeit von einer frappanten Wahr: 
heit, wie deren nur sehr wenige existieren möchten. In München hatte es denn auch bei 
seiner Ansstellung im Jahre 1835, zugleich mit des Cornelins Karton des jüngsten 
Gerichts, einen so kolossalen Erfolg, daß es nicht wenig zu dem sich nunmehr vor: 
bereitenden Siege des Realismus in der Kunst beitrug.  Heß gab diesem Bild 
Noch ein Gegenstück, welches den Empfang des jungen Königs in Athen darstellt, 
aber weit weniger glücklich geraten ist, da hier die dem Maler doch nicht so geläu: 
figeu Griechen die Hauptrolle spielen. Ihm folgte jene Reihe von Szenen aus der 
Geschichte des griechischen Befreinngskampses, den König Lud1vig in den Arkaden des 
Hofgartens nach Heß Skizzen durch Nilson in Fresko verherrlichen ließ, während 
freilich die deutschen Besreiungskämpser in der Fronseste Gelegenheit erhielten, einst: 
weilen über romantische GegensäHe nachzudenken. 
Auch bei diesen Fresken fällt es wiederum peinlich aus, daß diese so poetischen 
als 1nalerischen Kämpfe durch die Thronbesteignng Ottos einen so gründlich niichternen 
Abschluß finden, als wenn ein ganzes hoehbegabtes Volk blos deshalb für seine Freiheit 
hEIdenmütig gerungen hätte, um sich nachher durch einen fremden, überdies wenig 
begabten Prinzen regieren lassen zu können. 
Schon 1839 erhielt Heß dann den Auftrag vom Kaiser Nikolaus, ihm den 
Krieg von 1812 in einer Reihe von Gemälden zu schildern, ein Unternehmen, das 
schon darum mißglückeu mußte, weil man eine fremde Nation nie mit der Wahrheit 
zu schildern im ftande ist, als die eigene, es wäre denn, daß man fortwährend mitten 
unter ihr lebte: Leider hat die Verkennung dieses doch so natürlichen Verhältnisses 
UUzählige Bilder von vornherein zum Mißlingen verurteilt, da der Reiz der 
Kostüme u. dgl. doch niemals die Wahrheit der Charaktere ersehen kann. Dennoch 
wimmelt die moderne Malerei aller Nationen von solchen verunglückten Versuchen, 
die der Franzosen sogar noch viel mehr als die unsrige und von Leopold Robert und 
Winterhalter bis zu Delacroix und Delaroche oder Piloty hat man sie immer wieder 
angestellt. Man übersah dabei ganz, daß die Renaissance daran gar nicht denkt,
        

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