Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der Münchener Kunst im neunzehnten Jahrhundert
Person:
Pecht, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585796
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-587630
lärmendes Echo gefunden, das bald auf den König den iibelsten Eindruck hervor: 
brachte, der, gereizt durch die oft an Vaterlandsverrat grenzenden Thorheiten der 
liberalen Partei in der Pfalz, von da an 1nehr in die Bahnen der Reaktion ein: 
lenkte und dem Metternichischen Regieru11gs:System all111ählich i1nmer größere Kon: 
zessionen machte, das ihm doch bei seiner Thronbcsteignng so verhaßt gewesen.  
Den nationalen Gedanken opferte er ihm aber nie.  Die sich bis zum Jahr 1848 
in der abgeschmacktesten Nachahmung, ja Vergötternng der Franzosen gefallende Art 
unseres ganz und gar von Heiue und Börne inspirierten Liberalis1nns mus3te einen 
so durch nnd durch dentschgesinnten Mann, wie es König Ludwig zeitlebens gewesen 
ist, notwendig durch ihre Phraseuhaftigkeit mit vollem Rechte anwidern, was denn 
von der nltra1nontanen Partei geschickt benutzt ward, um ihn mehr und mehr in ihre 
Kreise zu ziehen, wie lange er sich auch dagegen wehrte. 
Als nun Cornelius im Sommer 1831 von Rom zurückkam, brachte er 
gleich den fertigen Karton der Kreuzigung und zugleich Overbeck mit, nicht ohne die 
Hoffnung, ihn dauernd an München zu fesseln, was aber nicht gelang. Dafür ward 
jetzt wenigstens von leHterem das Bild der Jtalia und Germania für die Pinakothek 
11nd eine Reihe Zeichuungen durch eine reiche Knnstfrenndin, Fräulein Linder aus 
Basel, erworben, die später nach dem armen München ziehend, damals so ziemlich 
allein sich solcher Exzesse schuldig machte, nnd deren Hans dann lange Jahre der 
Sammelplal; aller dieser Künstler romantisch:religiüser Richtung blieb.  An des 
schon 1832 abgehenden Schorn Stelle trat der Landschafts1naler Ferd. Olivier als 
Sekretär in die Akademie 1nit der Verpflichtu11g, Vorlesungen über Knnstgeschichte 
zu halten, zwei Ämter, die der lebe11dige 11nd geiftvolle aber fahrige und iiberspannte 
Mann gleich schlecht besorgte. Cornelius aber, der ihn vorgeschlagen nnd hier, wie 
schon oft, einen neuen Beweis seines Mangels an Menschenkeuntnis damit gegeben, 
komponierte jetzt nach der Kreuzigung den Karton für die Geburt Christi samt An: 
betnng der heiligen drei Könige wie der Hirten. Jst die Kreuzigung wenig mehr 
als eine sehr n1atte Re1niuiszeuz an italienische Vorbilder, bei der nur der Christus 
selber wahr nnd edel empfunden erscheint, so ist diese in München entstandene An: 
betnng immerhin von impouierender Großartigkeit. Der Vorgang wird freilich auch 
hier in eine mystisch:symbolische Feierlichkeit aufgelöst, von irgend einer nn1nittelbar 
zum Herzen dringenden Gewalt kann gar nicht die Rede sein, diese Auffassung ist 
durch eine ganze Welt von der naiven des Correggio getrennt. Dagegen tritt das 
Machtvolle, Gewaltige, der erhabene Ernst, die allen Kompositionen des Meisters 
eigen, hier besonders imponierend hervor. Jn1 Frühjahr 1833 ging derselbe dann 
wieder nach Rom, wo seine Frau noch immer weilte, um den Karton des jüngsten 
Gerichts zu zeichnen. Man muß sich nur wundern, daß er unter diesen Umständen 
noch so viel Originalität wenigstens der Gedanken gerettet hat, nachdem er die des 
Stils längst daran gegeben. Während der bis in den Sommer 1835 dauernden 
Arbeit war ihm Schwester und Frau, wie kurz vorher seine älteste Tochter gestorben, 
die dadurch erzeugte tieferuste Stimmung hat aber, wie bei jedem gesunden Talent, 
nur seine Produktivität gesteigert, und so ist denn trotz der Abhängigkeit des Stils 
etwas entstanden, dessen gewaltigem Eindrucke sich niemand entziehen wird, der sich 
die Mühe nimmt, es ernsthaft zu betrachten. Cornelins stellt sich bei seiner Korn: 
position, trotz aller Ähnlichkeit der Anordnung mit Michelangelo, ganz auf den christ: 
lichen Boden, gibt keine Verqnickung von Heidentum und Christentum wie dieser.
        

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