Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Peterskirche in Wort und Bild
Person:
Kleinpaul, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-584056
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-585164
Oberhaupt der Christenheit und als geistlicher Herr der Welt, dennoch nur ein Mensch nnd 
menschlichen Bedürfnissen und Schwächen unterworfen sei. Dann wurde er gleich dem Dürftigen 
aus dem Staube erhoben nnd gleich dem Armen aus dem Koth erhöhet, und ihm auf einem 
andern Throne von den Cardinal:Diaconen auf goldenem Teller zum Zeichen des Besitzes 
der Schlüssel zur Kathedrale und der Schlüssel zum Palast überreicht, worauf er unter den 
Klängen des Tedeums auf der Sedia Gestatoria in seine Kirche einzog. Hier händigte 
ihm der Schahmeister in einer weißseidnen goldgestickten Börse im Namen des Capitels fünf: 
undzwanzig neugeprägte silberne Paoli ein, das sogenannte Presbyterinm, das der Papst 
auch am Ostersonntag in Sanct Peter ,,für die Messe, die er eben gesungen hats, von den 
Domherrn der Basiliea bekommt und das er auf dem Altar zu lassen pflegt; Gregorovini3 
verdreht die ganze Sache, indem er sagt, ein Prälat habe nach dem andern ,,mit aufgehaltener 
Mitra vor dem Papste niedergekniet und dieser das herkömmliche Geldgeschenk oder Presbyterinm 
hineingelegt.ss Geldstücke wurden verschiedene Male und an bestimmten Stellen. unter das 
Volk geworfen, auch wie von den alten Consnln und Kaisern Bons und Brotmarken ausgetheilt. 
Der letzte Papst, der die Cavalcade abgehalten hat, das heißt, der bei der Besitz: 
nahme geritten ist, war Clemens X1V. C1769J; nnd ihm, dem vierundsechzigjährigen Minoriten 
Ganganelli, passirte es, daß er auf der Bin dell7 Areo di Settimio Severo, beim Abstieg vom 
Capitolinischen Hügel zum Forum von feinem stolpernden Pferde fiel. Doch that er sich 
keinen Schaden und anfstehend machte er den guten Witz: Das heißt Si. la Paulus und 
nicht Ä. la Petrus Besitz ergreifen tQ,uesto S mode di prend.er possess0 da 
Pao1o e non da PietroJ. Es hatte keine Contusion, sondern nur ein wenig Confusion gegeben, 
und der Nachfolger Pauli setzte seinen Weg unversehrt in einer Sänfte fort, deren sich 
bereits Paul IV. bedient hatte. 
Nach den Festen ist das christliche Kirchenjahr bekanntlich in drei Hanptcyklen ein: 
getheilt, den Weihnachtschklus, der vom ersten Adventssonntag C26. Nov.s4. Dez.J bis Epiphanie 
C6. Jan.J reicht; den Ostercyklus, der die Sonntage Septi1agesimä, Sexagesimä, Quinquagesimä 
oder Estomihi, sodann die Fastensonntage, die Karwoche, das Osterfest und die ihm folgenden 
fünf Sonntage umfaßt; und den Pfingsteyklus, der mit Christi Hitnmelfahrt anhebt und mit 
dem Trinitatisfeste, acht Tage nach Pfingsten, schließt: am Donnerstag darauf feiert die 
römische Kirche noch das Fronleichnamsfest CCorpus D0miniJ. Diese Festcyklen bilden ein 
Ganzes, in welchem sich die Geschichte Jesu von seinem Eintritte in die Welt bis zu seiner 
Verherrlichung im Himmel und auf Erden darstellt; die Mariens, Engel: und Aposteltage, 
sowie die Gedächtnisztage der Märtyrer und Heiligen wurden im Laufe der Zeit in sie hinein, 
namentlich in die festärmeren Abschnitte verlegt. 
Aber der vornehmste unter diesen Chklen ist der Ostercyklns, mit dem ursprünglich 
das Kirchenjahr begann; die Osteroetave in der katholischen Kirche ist noch jeht beibehalten. 
Weihnachten ist erst seit dem vierten Jahrhundert als ein christliches Hauptfest gefeiert worden, 
weil es über Jahr, Monat und Tag der Geburt Christi weder schriftliche Nachrichten, noch 
mündliche Ueberlieferungen gab; den 25. Dezember hat man gewählt, weil dieser Tag für
        

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