Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Peterskirche in Wort und Bild
Person:
Kleinpaul, Rudolf
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-584056
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-584406
Felseners, der die Schlüssel des Himmelreichs erhielt nnd der gleich einem Atlas die katholische 
Kirche trägt. Urfels und Felsenmannl Von Jesus, der die Wortspiele liebte, wie seherzend 
aufgeleseni Hier sitzt er auf einem Stuhle, hier liegt er in der Confesfion begraben, hier 
ragt er fest und uuerschütterlich aus dem tiefbewegten Meere und den rollenden Fluthen auf. 
Wie kam der Sohn Gottes auf das folgenreiche WortspielP  Auch in Jerusalem, im 
Haräm eschsScherif, dem Bereich des alten Tempels, giebt es einen heiligen Fels und einen 
Felsendom. Es ist der Stein, auf dem nach der jiidischen Ueberlieferung der Unaussprechliche 
Name Jehovah7s, der große ,,SchemE geschrieben steht, der die Bundeslade und mit der 
Bundeslade das Weltgebäude stützt, wo Abraham und Melchisedek geopfert haben. Jesus 
kannte diesen Stein, er gelangte angeblich dazu, den mystischen Sehen: zu lesen und verrichtete 
kraft dessen seine Heilungswunder. Und ähnliche heilige Steine finden sich in der Kaaba 
zu Mekka, in dem griechischen Delphi und an andern religiösen Centren,,anf dem römischen 
Forum selber; man kann sagen, daß alle Völker ihren Petrus haben. Alle Religionen 
machen ein neues Gotteshaus aus der Natur und für ihr Gotteshaus brauchen sie einen 
heiligen Grundstein, auf dem das Gebäude ruht: Sanet Petertwandert wie ein Riese durch 
die ,.Erde, hält sie mit starken Armen und reißt sie bald hiers, bald dorthin. 
Hier ist unser Peter, hier das christliche Gotteshaus gegründet, hier gegenwärtig der 
Mittelpunkt der Erde; die römische Peterskirche das kühne Sinnbild der katholischen Welt: 
n1ouarchie. Und eben dieses Sinnbild ist selbst eine kleine Erde, die ihr eigenes Klima nnd 
ihre eigenen Jahreszeiten hat, allun1fassend und ewig wie das Uuiversum. Es scheint, von 
hinnen wird Sanct Peter nimmer weichen, an die Siebenhügelstadt ist er mit diamantnen 
Banden, ja mit seinen eignen Ketten unauflöslich nnd wunderbar geschmiedet; 
s01idata. ödes, 
Roma, oatenis. 
Alcuin, 
est tibi, 
Oarm. 
Der Buchstabe tödtet, aber der Geist macht lebendig. Es giebt einen idealen Petrus 
nnd ein überirdisches Rom, und dieses Rom und dieser Petrus werden allerdings für immer 
nnzertrennlich sein. Die c1postoliskhe Basilica mag einfalIen und der römische Felsendo1n nur 
noch in seinen Trümmern von einem späten Pilgrim besucht und bewundert werten, daß doch 
diesunsichtbare Peterskirche ewig bestehen bleibt. Was ist ewigP Die Welt. Was ist nicht 
minder ewigP Der Mittelpunkt der Welt. Was wandelt sich und verrückt sich, wie die 
Welle in einem StromP Menschenwerk nnd Menschensinnbild. Sanct Peter gleicht keiner 
Welle, Sanct Peter gleidJt dem Felsen. Sankt Peter ist eine Jdee, und die Jdeen sind 
felsenfest. 1Insterblich und unvergänglich wie das Alls  Das ist die wahre Meinung bon 
Sanct Peter.   
,,Wahrlich, ich sage dir,ss mit diesen Worten prophezeihte der Auferstandene am See 
Genezareth dem Apostel Petrus sein bevorstehendes Martyrium, ,,wahrlic11, ich sage dir, als 
du jung warest, gürtetest du dich selbst nnd du gingest hin. wo es dir gefiel. Aber wenn 
du alt sein wirft, so wirst du deine Hände ausbreiten wie ein Sclav, und ein Anderer wird 
dich giirten und wird dich hinfiihren, wo du 11innner weilen 1uöchtest.E 
III
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.