Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Volkstrachten
Person:
Kretschmer, Albert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-580047
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-581093
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 In Burg ist eine complicirtere Form als Feßtracht sehr beliebt, es bildet das farbig  
 blumige oder weiße Kopftud7 durch Wickelung über ein breites pappgestelI eine 2lrt Hörner:  
 mütze, welche durch eine breite Fraise von gekräpptem MulI vervollständigt wird, die im  
 Nacken hoch emporstehend wie der altenglische Kragen des s6. Jahrhunderts den Kopf mit  
 seiner breiten Mütze einrahmt. 
 Die gestickten, weißen Kopftücher, deren Zipfel im Dreieck am Nacken herabfallen, ge:  
hören ebenfalls der Festtracht an. Einer dem ähnlichen Form, welche nur in den seitwärts  
und über den Nacken herabhängenden Zipfeln eine kleine Verschiedenheit zeigt, und bei der  
21bendmahlstracht aus weißem feinen und reichgestickten sLeinenstoff gebildet wird, sei noch  
 hierbei erwähnt.  
 Im Winter legt man das Kopftuch zum Schutze gegen das Wetter dergestalt, daß es  
einem Bashlik ähnlich iß und nur Augen, Nase und Mund frei bleiben, und endlich werden 
auf dem Felde die Kopftücher in der Weise dreizipflig gelegt, daß zwei Zipfel einander deckend 
am Nacken herabhängen und die andern beiden unter dem Kinn geknüpft werden. 
Die Bewohnerinnen von Teede und Teipe tragen zu sonntäglichem puß eine zierliche 
Haube von weißem durchzogenen UIull und mit Kanten besetzt; vom Nacken bis zum Kinn 
geht eine breite, doppelt gelegte Fraise, welche unter dem Kinn durch eine buntseidene Schleife 
zusammengehalten wird. 
Den Oberkörper umschließt ein Mieder von schwarzem Sammet, aus welchem die  
weißen kurzen Hemdärmel heraustreten, deren mit Kanten beseßter Rand immer umgeschlagen  
ist. Das gewöhnliche Brusttuch ist von helIfarbigem Kattun oder auch von bedruckter Wolle, 
jedoch an Festtagen und namentlich bei gewissen Festlichkeiten, wie Hochzeiten, Taufen oder 
2lbendmahlsfeierlichkeit, von feinstem weißen Gewebe und mit Kanten besetzt. Das Brusttuch  
wird immer in drei Zipfel zusammengelegt, deren einer am Rücken herabfällt, während die  
andern beiden, durch eine am Mieder befeßigte Spange gehalten, unter dem Bund der breiten  
 Schürze verschwinden. Diese ist in Stoff und Farbe dem gleichen Wechsel unterworfen wie das 
 Brußtuch, auch sie ist als ein Stück der Festtracht bei Taufen und Hochzeiten von gesticktem 
MulI; breit und faltenreich, erreicht sie beinahe den Saum des Rockes. 
Der wollene Rock, von verschiedener Länge, ist zunächst des Bandes in enge Falten ge:  
näht, fällt dann in breiterer Faltenlage herab. Hierbei ist fast jede Farbe beliebt, doch ist der  
nationale Rock immer von hochrothem dicken Wollenstosf, zuweilen auch noch mit schmalen  
 grünen oder schwarzen Tängenstreifen durchweht; der Rand ist mit blauer oder grüner Seide  
besetzt, auch werden schottische Muster zu diesem BesaZ gewählt; darin hat fast jede Dorfschaft 
ihren eigenen Geschmack. 
Der Spenzer mit umgeschlagenem Kragen und langen 2lermeln ist immer von schwarzem 
Stoff, gewöhnlich von Tuch oder Kamelot und vervollständigt die Kirchentracht. 
 
 
 U. 18. P
        

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