Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ernst Rietschel
Person:
Oppermann, Andreas
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-536894
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-537517
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welche die grauen Häusermassen und Thtirme bargen. 
Nun betraten wir Dresden selbst mit seinen hohen 
Häusern, manche mit Balconen, seinen großen Plätzen. 
Der für meine Gewöhnung ungeheuere Lärm, das Ge: 
wühl, die vielen Kutschen, Reiter und Soldaten, die 
geput5teu Herren und Damen, all das Neue, Große und 
Wunderbare, vor allem die Brücke, von der ich tagelang 
in den Strom hätte sehen mögen, machte einen unge: 
heitern Eindruck. Noch erinnere ich mich, als einer bei 
sonders mir auffallenden Ersaheinung, des häufiger: 
Schlagens der Nachtigallen in Käsigen vor den Fenstern, 
sowie des Geschreis der Rettichjungen, eins zum andern 
in lächerlichem Contrast, doch beides und vieles andere, 
was ich sah und hörte, neu, ungewöhnlich, großstädtisch, 
mir imponirend. 
Der Aufenthalt bei meiner Tante in der Friedrichstadt, 
die, wie ich schon erwähnte, die kleine Materialhandlung 
ihres verstorbenen Mannes fortführte, bot nichts dar, 
was irgendwie ein Kind hätte anregen können; dennoch, 
da alles neu war, war auch alles interessant, und wenn 
ich nur einmal meinen Vater oder sonst jemand in die 
Altstadt begleiten konnte, so war dies ein vollkommen 
reicher Ersatz für tagelanges stilles Warten, Zusehen 
im Hause und Hinaustreten vor die Thüre. Einige 
Groschen für ein Bild oder ein altes antiquarisches 
Büchelchen fielen nebenbei auch ab. 
Meine älteste Schwester suchte mir von ihren Er: 
sparnissen eine Kleinigkeit zu kaufen, und so kam ich 
nach meiner Meinung reich zurück, wie ich nie gewesen. 
Ich beklage kein Kind, wenn es arm und in Gut: 
behrung ausgewachsen ist; freilich nur nicht so, daß
        

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