Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ernst Rietschel
Person:
Oppermann, Andreas
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-536894
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-538313
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hatte von ihm nur die Ariadne und Schillerls Büste ge: 
sehen; allerdings konnte letztere allein einen jugendlichen 
Bildhauer wol begeistern. Jst diese Vüste doch eine der 
hervorragendsten Schöpfungen deutscher Bildhauerei, und 
heute noch, wo sich Kunstanschauung und Bewunderung 
so sehr verändert haben, rührt und bezaubert  so wirkt 
das Ewige ewig schön  dies edle Menschenantlit3 mit 
dem göttlichen Gepräge, mit dem Pathos des Leidens, 
wie es anspruchslos in der Bibliothek zu Weimar steht, 
jedes Beschauers Seele. Aber Dannecker, dessen Ruhm 
weit verbreitet war, dessen Ariadne auf dem Panther ihren 
Triumphzug durch die Welt gemacht hatte, welcher da: 
mals seine Christusstatue vollendet und die Statue des 
Johannes noch in Arbeit hatte, zwei Werke, von den 
Zeitgenossen mehr als billig geschätzt,  ging, abgesehen 
davon, daß seine Thätigkeit durchaus nichts wahrhaft 
Productives mehr hatte, ganz andere Wege als Rauch, 
zum Theil noch die Canova7s. Jhm war Linien: und 
Formenschönheit und Lieblichkeit Selbstzweck der Kunst, 
und wo er, das Unzulängliche eines solchen Strebens 
selbst fühlend, nach innern: Ausdruck zielte, kam er 
über eine gewisse Schwächlichkeit nicht mehr hinaus, was 
um so mehr zu bedauern, da er in der Büste Schillerls, 
einem mit dem vollsten Herzen geschaffenen Jugendwerke, 
bewiesen hat, wie es seiner Naturanlage nicht versagt 
war, den Seelenausdruck kräftig und schön zur Geltung 
zu bringen. 
Nietschel würde bei diesem Meister in eine seinem 
künstlerischen Naturell, das auf die Jnnerlichkeit zunächst 
den Ton legte, keinesfalls entsprechende Richtung ge: 
drängt worden sein und mit schwerem Kämpfen kaum
        

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