Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Hohenzollern-Standbilder in Preußen
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-536110
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-536410
in der Model1irung des Schwierigsten seine höchste Kunst zu 
entfalten. Poch war man mit dein Gusse dieser Sclaven in 
weitem Rückstande, als der König die Weihung des Denkmals 
befahl; die Selaven wurden vorläufig in Gips hinzugefügt, 
und ani Geburtstage Friedrichs 1., ani 23. Juli I703, fand 
unter glänzenden Festlichkeiten die Aufstellung der Bildsäule, 
am folgenden, Tage aber die Enthiillung mit militärischem 
Pompe und kira;licher Feier statt. Das großartige Meisterwerk 
befriedigte nicht nur den König, sondern erregte auch das allges 
nieinsfe Aufsehen. Schlüter ward in den Adelsstand erhoben; 
Jaeoby erhielt das Königliche Brustbild, als Medaillon an gols 
dener Kette zu tragen, iind 80,000 Thaler für seine Arbeit und 
für die Lieferung des Metalls; eine ganze Literatur von Bei 
1cbreibungen und Lobpreisunget3 in Profit und in Versen, lateis 
nisch, deutsch, franzbsisch, knapste sich an0 das Ereigniß des 
Tages; ja noch 50 Jahre später gab eine hani1sche Bemerkung 
Voltaireis dem Rektor Küster, dem bekannten VerfaHer 
des :sAlten und Neuen Berline, Veranlassung, eine gelehrte 
Arbeit, Vit1diciae Sturme eque.gt1sis etc., in der Akademje der 
WiJenschaften zu lesen und durch den Druc zu veröffcnilichen. 
Von nachhaltigerer Wirkung war der Eindruck, den das wahrs 
haft Königliche Gedcichtnis;nial auf das Volk von Berlin her: 
vorbrachte. 22Der Kurfürst auf der Laugen Brückeii war bis 
in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, wo Friedrich 
der Große die Marniorstatuen feiner Feldherren auf dem Wils 
helnisplatze aufstel1en. ließ, das einzige plastische Kunstwerk, 
welches die Straßen und Plätze der Residenz aufzuweisen hatten ; 
der Berliner war stolz auf diesen Schmuck seiner Stadt; er 
taufte eigenmächtig die pLange Brücke: in pKursürstenbrückec 
um; bald bemächtigte sich die Volkssage des Gegenstandes. Dei; 
Plaudern Pöllnisz erzählt, die Grcifin Piper, GemaElin des 
ersten Ministcrs König Karls XII. von Schweden, abe bei 
ihrer Anwesenheit in Berlin c1706 oder 1707J in den Sclaven 
eine für Schweden belcidigende Anspielung auf den Sieg von 
Fehrbellin entdeckt, und man habe, um die nationale 
Enipfindlichkeit der einflußreichen Dame, und ihres auf der 
Höhe des Glückes stehenden Monarchen nicht zu reizen, über 
Nacht die Sclavenfiguren von dem Postaniente entfernt. Die 
Grille der Gräsin, da nur Schweden zu sehen, wo, wenn 
man Nationalitäten suchen wollte, jedenfalls die vier haupts 
scichlichften unter den vom Großen Kurfiirsten, bekampfs 
ten erblickt. werden nniß,ten, erscheint so thöricht,  das 
angebliche Eingehen auf diese Pratension so unwahrschemlicb 
bei einein Fürsten von Friedrichs I. Sinnesart, daß, wenn 
man bedenkt, wie Gerüchte entstehen, hier wohl die erste Sage 
vorliegen möchte, veranlaßt durch die Beseitigung der Gipss 
modelle, als diese durch die inzwischen  vollendeten Bronzes 
Sclaven erseht werden sollten. Der gemeine Mann konnte sich 
nicht in das röniische Kostiim seines Kurfursten finden; schon 
das Fehlen der Stetgbügel war ihm anstößig, noch bedenklicher
        

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