Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Volkskunst
Person:
Mielke, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-534538
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-535030
die leichte, berechnende gallisch:rö1nische kommt empor. Die Gotik selbst 
entstand auf vorwiegend germanischem, fränkischem Boden, wie ja schon 
der Name des Ursprungslandes ,,ls1e de Frances darauf hinweist; sie 
trat ihren Siegeszug durch die germanischen Länder an, die ihrem 
intensivsten nationalen Empfinden mit den trotZ,igen, riesenhasten Dornen 
Form und Ausdruck gaben. Mit den Valesiern, unter Franz I., und dem 
zweiten bis vierten Heinrich kam inzwischen die italienische Renaissance 
durch das mit römischen Trün1mem besäte Rhonethal und iiberwältigte 
nach kurzem Kampfe die gotischen Neigungen. Sie war eine vornehme 
Dame, die den lockeren Sinn der Franzosen schmeichelnd bethörte, bis 
diese ihre 1nännlicheren Urbestandteile fahren ließen. Bezeichnend ist es 
für Frankreich, daß der Völket1nischmasch auf seinem Boden sich aus den 
Brnchteilen herabgekommener Stämme, aus Kelten, Phöniziern, Griechen, 
Römern und den in späterer Zeit verweichlichten Franken zusammen: 
setzte, Stämme, deren Kulturleben neue, kräftigere Reiser nicht mehr 
treiben, sondern nur die alten Bestandteile in immer diinnerem, aber 
verfeinertem Extrakt umsehen konnte. Hier zeigt es sich, daß ein kräftiger 
Zug nationalen Geistes nur von gesunden Völkern ausgehen kann, daß 
ein Mischungsprozeß von in Auflösung begriffenen Volkskörpern zwar 
raffinierte Steigerung des Luxus, aber keine nachwirkende Umgestaltung 
nach sich ziehen kann. Nicht ohne Zusammenhang steht damit, daß die 
Franzosen als Kunsthand1verker, als Virtuosen groß sind, in der 
Alischät311ng nach dem geistigen Gehalt ihrer Kunst jedoch hinter anderen 
Völkern zuriickstehen. 
Sehen wir dagegen nach Oesterreich mit seinen vielen Stämmen, 
die zwar alle insgesa1nt noch keine große Kunst von weltgeschichtlicher 
Bedeutung erzeugt, die aber eine reich entfaltete Volkskunst hinter sich 
haben. Letztere verbiirgt, wenn nikht äußere Verhältnisse störend 
eingreifen, eine stetige Entwickelung nach vorn und eine künstlerische 
Zukunft, die nicht außerhalb des Zusammenhangs mit der Volksseele 
steht. Seine so vielfach anderen Interessen nachstrebenden Völkerschaften 
mögen keine politischen Erfolge, 1venigstens nach außen hin, erzielen; 
für die Kunst aber liegen gerade in dieser Konkurrenz volkstiimlicher 
Eigenarten sehr viel Verheißungen. In der deutschen Kunstentmickelung 
haben 1vir ein Beispiel für die nach verschiedenen Seiten hin auch 
verschieden wirkende Kraft des Partikularismus. 
Der künstlerische Wert eines vorhandenen Kunstvermögens zeigt 
sich in reichster und umfassendster Weise in der Ornamentik. Völker 
mit Stilen erster Ordnung halten mit Vorliebe an dem geometrischen 
iOrnament fest. Auch in seinen reifsten Bildu11gen ist die Erinnerung
        

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