Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Volkskunst
Person:
Mielke, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-534538
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-534951
V0lkSkunst. 
c,.s 
z,  
m auflösenden und zerstörenden Prozeß der Stadtkunst steht 
is in der Bauernkunst eine Welt des Beharrens entgegen, die der 
aus ersterem sich notwendig ergebenden positiven Verneinung ihrerseits eine 
iiberzeugende Bejahung entgegenhält. In der Bauernkunst ist noch immer 
der echte Bauerngeist lebendig, der, wahrhaft konservativ, den aus: 
gleichenden Einflüssen der Neuzeit Widerstand entgegensetzt und dessen 
stark ansgeprägter Jndividualismus die Flut der auf Unterdrückung der 
persönlichen Sonderheiten gerichteten Bestrebungen zurü6kdämmt. Dieser 
Gegensatz zwischen modernem Städter und Bauern kommt nicht nur in 
den politischen Ansichten beider Stände zum Ausdruck; er spricht sich in 
allen Thatäuszerungen, im Hause, im Verkehr, im Familien: und Ge: 
sellschaftsverkehr aus. Während der Bauer in den Anschauungen des 
Stiidters vielfach eine SChildbiirgerrol1e spielt, blickt ersterer 1nitGering: 
schäZung aus diesen Sklaven des Strebens und des Genusses herab, 
dem er, der freie Mann auf dem ererbten Gute, seinen aristokratischen 
Bauer11stolz entgegensetzt. In diesen allgemeinen Unterschied schiebt sich 
eine Reihe kleinerer hinein: Die Städter haben sich in Wahrnehmung 
ihrer gleichen Interessen fast überall einander genähert, ob sie nun am 
Rhein oder an der Elbe, im Süden oder Norden wohnen; der Bauer 
behiitet aber mit Eifersucht seine Stammeseige11tümlichkeiten, seine sozialen 
Sonderbildungen; er sucht die für ihn notwendigen Errungenschaften 
der Gegenwart nicht auf, sondern läßt sie an sich zur Prüfung heran: 
treten. Noch weniger läßt er sich von der um ihn brausenden Litteratur: 
flut beeinflussen. Was er von derselben seinem geistigen Horizonte ein: 
fügt, kann seine nicht alIzuweite, aber abgerundete .Weltanschauung 
nicht erschüttern. Dahingegen neigt der Städter gern jener oberfläChlichen 
Halbbildung zu, deren Stärke das aus Lesefriichten zusammengehäufte 
Wissen ist, das ihn anreizt, über alles mit Ueberhebung zu urteilen, 
das ihn aber nicht in den Stand setzt, den inneren Zusammenhang 
der Dinge auch nur ahnend zu begreifen. 
Auf solchem gewissermaßen beengten, aber tief angelegten Grunde 
konnte sich die künstliche Empfindung des Bauern nur in einer Sprache 
äußern, die in engsten Beziehungen zu seinen tiefeingewurzelten An:
        

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