Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Volkskunst
Person:
Mielke, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-534538
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-534833
Einleitung. 
e Kunst, soll sie zum Herzen dringen, bedarf einer Sprache, 
die, einfach und ungekünstelt, in ihrer schlichten Klarheit das 
auszudriicken vermag, was den einzelnen wie die große Masse seit den 
Tagen der Kindheit bewegt. Und je mehr sie Bruchteile jenes Lebens: 
horizontes enthält, den die Erzählungen der Mutter oder die Lieder der 
Geschwister vor dem Kinde aufgerollt haben, je n1ehr sie die Ausdriicke 
verwertet, welche Volk, Land und Geschichte der Heimat in ihrem Zu: 
sammenwirken erzeugt haben, um so eindringlicher und allgemeiner wird 
ihre Wirkung auf das gesamte Volk sein. Denn eine Kunst, die nicht 
für alle verständlich ist, wirkt wie ein leiser Zephir, der die längsten 
und in der Regel unfruchtbarsten Aehren streift, während der kräftige 
Wirbelwind einer wahren Volkskunst auch die untersten Schichten der 
Bevölkerung mit seinem erfrischenden Hauche bewegt. Eine solche Kunst, 
aus dem derben Volkstum erwachsend, wird jahrhundertelang die Spröß: 
linge nationalen Könnens beschatten, auch dann, wenn einer Zeit iippige11 
Gedeihens eine solche n1agerer Unfruchtbarkeit folgt. 
Blicken wir nun um uns, so stehen wir vor der wenig erfreulichen 
Thatsache, daß wir von einer solchen Volkskunst trotz aller Aufwendungen 
und Bestrebungen noch weit entfernt sind. Zwar ist es Dank den viel: 
seitigen Bemühungen der letzten Jahrzehnte nicht ausgeblieben, daß der 
Geschmack nach einer bestimmten Seite hin entschieden geläutert ist. 
Verfolgen wir jedoch diese Wirkungen, so stellt sich das Ergebnis nur 
scheinbar als ein erfolgreiches heraus. Weder gelang es, die Geschmacks: 
bildung zu vertiefen, noch zu verallgemeinern. Nach ganz 
einseitigen Prinzipien ist ein Kunstraffinement erreicht worden, 
dessen Träger überall zu suchen sind, nur nicht bei der großen Masse 
des Volkes. Schon die Thatsachen allein, daß weder das Verständnis 
für die besten Werke der Kunst Allgemeingut geworden, noch daß den 
lächerlichsten Auswiichsen der Mode ein Ende bereitet ist, sollte uns iiber 
diese so wenig in die Tiefe dringenden Bestrebungen aufklären. Gerade 
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