Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Sinngemäßes Schaffen und Modethorheit in Architektur und Kunsthandwerk
Person:
Nothnagel, A.
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-532910
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-533333
Die Zlntrtscyjcdc zwischen Zlelkorajioug- und 
Tafel -Malerei. 
Erst im Anfang der Renaissance, wo sich das Jndividuun 
in allen Zweigen von seiner Zuuft abzulöfen sucht, wo Jede 
seine Eigenheiten bewahren und zur Geltung bringen will 
tritt eine Scheidung auf im Stande der Maler zwischen denen 
die sich für Künstler, und denen, die sich für Handwerke1 
halten. Im ganzen Mittelalter gehörten Beide zu der 8unf" 
der Maler, Schilderer, oder wie sie sich sonst nannten, hattet 
gemeinsame Organisation und gemeinsame Vertretung; jede1 
begnügte sich, dass ihm bestellte Werk möglichst gut anzufertigen, 
ohne weiter seine Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen; 
erst später fängt man an, seiner Arbeit überhaupt den Namen 
beizufügen. Noch Ho!beiu, Diirer u. s. w. führten ganz 
handwerksmäßige Arbeiten aus, wie das Liefern von Wirths- 
I)ausschildern und sonstigen Arbeiten, die heute kein Kunst- 
aialer mehr übernehmen würde. Sie hatten den Vortheil 
Davon, daß sie die Technik von Grund aus erlernten und daß 
ich ihre Werke dauerhafter erhielten, als es bei unseren 
)eutigen Kunstmalern, die ihre Materialien fertig vom 
Themiker beziehen, der Fall zu sein pflegt. Man kann da- 
:über streiten, ob diese Trennung vortheilhaft für einen von 
leiden Theilen oder für beide gewesen ist, oder nicht, jeden- 
alls sind die Aufgaben, die jeder von ihnen zu erfüllen hat, 
rotzdem die Mittel zu ihrer Vollendung dieselben sind, ver- 
rhieden. Eine Grenze zwischen den Personen zu ziehen, ist 
mmöglich, da dieselben Leute Wohl befähigt fein können, ein 
elbstständige-Z Ge1nälde zu liefern und ihre Kunst dekorativ 
u verwenden. Weil nun aber die Personen oft dieselben 
nd, unterscheiden sie auch häufig genug die Verschiedenheit 
net Aufgabe nicht, und während im Mittelalter alle Malerei 
ekorativ behandelt wurde, behandelt man heute die dekorative 
Malerei als ein von seiner Umgebung abhäugiges3 Werk. 
sc-dem von beiden seinen gehörigen Plah anzuweisen, ist die 
lufgabe dieser Untersuchung.
        

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