Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerschule von Nürnberg im XIV. und XV. Jahrhundert
Person:
Thode, Henry
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-519104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-522449
M 
Malerei 
Die 
UebergangSzeit vom 
der 
F. zum 
M Jahrhundert. 
Schon früher habe ich es hervorgehoben, daß nach meinem Dafürhalten 
nur die Staffelbilder von Wolgemut, diese aber höchst charakteristische Beispiele 
seiner Kunst sind. Jn allen übrigen Darstellungen, abgesehen von den Malereien 
auf der Rückseite, die zu sehr gelitten haben, als daß ich ein positives Urtheil 
wagen würde, sind von einer anderen, und zwar einer und derselben Hand. 
Auch die Predigt Johannes7, obgleich hier einige Köpfe stärker, als dies sonst 
der Fall ist, den Wolgemut7schen Typen verwandt sind. 
Der Künstler nun, dem Wolgemut die Arbeit anvertraut hat, und der, 
wie die Jahreszahl auf dem einen Bilde lehrt, schon im Jahre 1506 dieselbe 
in Angriff genommen hatte, ist ein durchaus anders gearteter, als der etwa 
gleichzeitig mit der Ausführung des Heilsbronner Hochaltars beschäftigte. Nur 
in dem Einen läßt er sich Diesem vergleichen, daß auch er unter dem Einflusse 
der Dürer7schen Kunst stand. Ja, er hat sich in viel höherem Grade die 
neuen Errungenschaften zu eigen gemacht, so daß er mit ziemlicher Willkür, 
ja in etwas zügelloser Weise mit denselben wirthsehaftet. Mit heraussordern: 
der Keckheit entwirft er seine.Kompositionen und handhabt er den Pinsel. 
Alles ist bei ihm Leben, Bewegung: Formen und Farben scheinen in einen 
förmlichen Aufruhr gerathen zu sein. Es ist ein Geschlecht von unruhigen, 
aufgeregten Persönlichkeiten, das wir aus diesen Bildern kennen lernen, 
Menschen, die nicht von starken, leidenschaftlichen Erregungen bewegt werden, 
sondern nur von einer Art oberflächlicher, zweckloser Lebhaftigkeit beseelt sind. 
Jeder zeigt sich in seiner Weise geschäftig und emsig, und zwar verräth sich 
die Aktivität eigentlich viel weniger in den Gebärden als in den Augen. Die im 
Verhältniß zu den ziemlich langen Körpern kleinen Köpfe haben eine so hastige, 
jähe Art zu schauen, daß die Blicke gleich Blitzen über die Bildfläche zu schießen 
scheinen. Hierin wie in der momentanen Bewegung suchte der Meister seine 
künstlerische Freiheit zu dokumentiren. Bei Dürer hatte er gesehen, wie weit 
die bildende Kunst zur dramatischen Wiedergabe eines einzigen Augenblickes 
befähigt ist, und sein höchster Ehrgeiz war es, seinem großen Vorbilde es gleich: 
zuthun. Man sieht s einen Bildern ordentlich das Vergnügen an, das es ihm machte, 
das Auge in immer neuer Stellung und Bewegung darzustellen, wie es bald 
seitwärts nach außen, oben oder unten, bald geradeaus nach oben oder unten 
blickt. Jndem er das Glanzlicht in der Pupille angiebt und den dunkeln Aug: 
apfel scharf vom leuchtenden Augenweiß abheben läßt, vermag er dem Ver: 
langen nach Ausdrucksfähigkeit gerade dieses Organes Genüge zu thun. 
Das Traurige ist nur, daß alI7 diese Mühe in gewisser Beziehung un: 
nöthig verschwendet ist. Es kommt nämlich schließlich wenig darauf an, ob 
überhaupt diese Männer und Frauen lebhaft blicken oder nicht. In ihren 
kleinen Schädeln steckt so wenig Gehirn, es sind so ganz nichtssagende, bäurisch 
beschränkte, erbärmlich kleine Naturen, daß man sich in keiner Weise für ihr
        

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