Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerschule von Nürnberg im XIV. und XV. Jahrhundert
Person:
Thode, Henry
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-519104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-522369
216 IV. Die Malerei in der Uebergang5zeit vom 15. zum 16. Jahrhundert. 
 
Sophie, welche eine Tochter des Königs Kasimir von Polen war Cis 1512J, und 
zwar wie StilIfried, abweichend von Muck, der es 1522 entstanden glaubt, 
überzeugend nachweist, im Jahre 1502 oder 1503 gestistet worden. 
Das zunächst zu erwähnende Bild des Meisters ist vom Jahre 1504 datirt 
und befindet sich auf der rechten Seite des Chores von S. Lorenz. Es stellt 
die hl. Sippe dar und ist eine Stiftung der Familie Löffelholz. Schon 
Scheibler erkannte die Jdentität des Stiles mit dem des Heilsbronner Altares, 
und ich stimme seiner Ansicht durchaus bei. 
Weiter möchte ich dann in der ,,Auffindung des hl. KreuzesH im 
Gerinanis eh en Museum CNr. 200J, soweit die arge Zerstörung dieses Bildes 
überhaupt noch ein Urtheil zuläßt, den Stil des Künstlers wiedererkennen. 
Außer diesen beiden Stücken findet sich sonst Nichts mehr von ihm in 
Nürnberg. Wohl aber bemerken wir bei einer Wanderung durch die Heils: 
bronner Kirche noch andere Werke von seiner Hand. Das Ansehen, das er sich 
bei den Mönchen dort durch den Hauptaltar erworben hat, muß ein großes 
gewesen sein. An ihn wandten sich die Aebte, die ein künstlerisches Andenken 
von sich zurücklassen wollten, und oft genug scheint er in das stille Städt: 
eben hinausgewandert zu sein, wo seine Kunst mehr Anerkennung fand, als in 
Nürnberg, das zu gleicher Zeit denn doch, von Dürer selbst abgesehen, ganz 
andere, bedeutendere Künstler besaß. Den Meister von Heilsbronn, so kann man 
ihn geradezu taufen, so lange sein eigentlicher Name nicht bekannt geworden ist. 
Da hat er denn zunächst den kleinen Gregors:Altar links im Mittelschiff des 
Chores gemalt, auf dessen Flügeln die Anb etung der heiligen drei Könige 
und an dessen Geht iibermalterI Staffel die Beweinung Christi zu sehen ist. Das ist 
nun freiliah kein großes Meisterstück, was er hier zu Stande gebracht hat; es 
entspricht ganz den Bildern an der Rückseite des großen Altares, ja ist viel: 
leicht noch um einen Grad derber. Der Stifter, der auf der Staffel dargestellt 
ist, war nach Muck der Abt Johann Wenk, der von 1518 bis 1529 der Hirt 
dieser Mönchsgemeinde war und die Tafeln 1519 für 22 Gulden malen ließ, 
eine Angabe, an deren Richtigkeit ich zweifeln möchte. 
Bei Weitem besser, ja einer gewissen Großartigkeit nicht entbehrend, sind 
die Malereien an den Flügeln des Altares am Ende des linken Seitenschiffes. 
Es sind die zwei großen, frei und stattlich bewegten Gestalten der Barbara 
und Katharina, die vor ausgespannten Teppichen stehen. An Ort 
und Stelle giebt man sie als Werke des Matthias Grünewald an. Hier hat 
der jKünstler sich zu solcher Kühnheit und Freiheit aufgeschwungen, daß man 
aus den ersten Blick an Arbeiten des Hans von Kulmbach erinnert werden 
könnte: breitmächtige Figuren mit groß drapirter Gewandung, vornehmer 
Haltung des Kopfes, in volIstem Gegensätze zu den sehr kleinlichen Holz: 
schnitzereien im Schreine stehend. Diese Bilder repriisentiren offenbar eine vors
        

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