Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerschule von Nürnberg im XIV. und XV. Jahrhundert
Person:
Thode, Henry
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-519104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-522165
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in der zweiten 
Die Malerei 
Hälfte 
l5s Jahrhunderts. 
hältnissen verbildlicht sind. In einer Fensternische ist, nach Mithoff7s Mittheiluugen 
im ,,ArchivU Johann Papen, der Bürgermeister, als Stifter neben der hl. Anna 
selbdritt, der Himmelskönigin Maria auf der Mondsichel, den Schutz,patronen 
von Goslar: Judas Thaddäus und Simon, sowie dem hl. Matthäus dargestellt. 
Was die Propheten und Evangelisten anbetrifft, ist nicht Viel zu bemerken; 
der alten Tradition zufolge halten sie Schriftbänder, auf denen ihre Weis: 
fagungen zu lesen find. Viel eingehenderes Jntereffe erwecken die Figuren der 
SibylIen und Könige. Die ersteren, durch reiche phantastische Tracht geschmückt, 
sind nach Alter, Ausdruck und Attributen durchaus verschieden individnell ge: 
bildet. Ein ganz bestimmtes Programm mit detaillirten Angaben muß dem 
Maler vorgelegen haben, an welches er sich, abweichend von der 1nehr allgemein: 
gehaltenen Tradition, der auch noch ein Künstler wie Syrlin bei Anfertigung 
der Chorstühle in Ulm folgte, gehalten haben muß. Man braucht nicht lange 
zu suchen: in jener von Wolgemut und Pleydenwnrff illustrirten Weltchronik 
finden wir neben den ähnlich phantaftifch gebildeten Brustbildern der Sibyllen 
nähere Angaben über deren Geschichte, Tracht und Bedeutung. Woher Schedel 
diese speziellen Angaben genommen, glückte mir bisher nicht aufzufinden, doch 
bediente er sich offenbar derselben Quelle, auf welche das bereits von Piper 
in seiner ,,Christlichen MythologieU Cl. S. 479J und von Görres in seinen 
,,Deutschen VolksbüchernU CHeidelberg, 1807, S. 241I erwähnte Volksbuch zurück: 
geht, welches den Titel: ,,Offenbarung der SibilIen WeisfagungH oder ,,Zwölf 
SibilIen weissagnngen vil Wunderbarer Zukunfft von Anfang bis zu end der weltH 
trägt. Wenigstens stimmt das Volksbuch in fast Allem genau mit der Welt: 
chronik überein. IS. Näheres darüber im Anhang.J Da werden nun, ab: 
gesehen von den Weisfagungen, die sich in gleicher Weise auf den Bildern in 
Goslar finden, folgende nähere Angaben über die einzelnen Sibyllen gemacht. 
Die Pers is ehe Sibylle trägt ein goldenes Kleid und einen weißen 
Schleier, die Libische einen Rofenkranz auf dem Kopfe. Die Delphifche, 
mit schwarzem Gewande angethan und das Haar um den Kopf gebunden, hält 
in der Hand ein Horn. Die Chimeris ehe, jugendlich gebildet, mit aufgelöften 
Haaren, ist mit blauem, goldverziertem Gewande bekleidet. Auch die Samis ehe 
ist jugendlich und schön, hat das Haupt bedeckt mit einem zarten Schleier, hält 
die eine Hand vor die Brust und tritt ein Schwert mit Füßen. Die Knmä: 
if ehe, mit unbedecktem Haupte, in güldenem Kleid, trägt zwei Bücher, das 
eine in der Hand, das andere auf den Knieen. Die Hellespontische ,,ist 
gewesen ein alt weih mit einem Beurischen Purpurkleyde angethon gebunden 
mit einem alten Weiler nmb ihre Kele hat sie ein alt verwurffeu kleydt umb, 
gewickeltU. Von der Phrygischen wird gesagt, sie sei ,,gekleydt mit einem 
roten kleyd. Sie ginge mit bloßen armen, unnd ihre hat waren über ihren 
rucken gebreyt nnnd zeigt mit einem finger0  wozu in der lateinisches: Aus:
        

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