Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerschule von Nürnberg im XIV. und XV. Jahrhundert
Person:
Thode, Henry
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-519104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-521655
Wolgem11t. 
Miche1 
l57 
cBd. VII, S. 98J veröffentlicht worden ist. Dieses große Blatt, das nur in 
uuwefentlichen Kleinigkeiten von dem Holzfchnitt verschieden ist und auf der 
Rückseite Brnchstücke des Schedelischen Textes enthält, trägt die Jahreszahl 
1490. Damals also schon, noch ehe der Vertrag .n1it Wolgemut und Pleyden: 
rourff L29. Dezember 1491J abgeschlossen worden war, wurde das Unternehmen 
geplant, und diese Zeichnung mag als eine Art Probestüok gedient haben. 
Siduey Colvin nun hält sie für eine Arbeit Wolgemut7s, dem er überhaupt 
den Löwenautheil an der Jllustration zuerkenut, und dafür würde auch unsere 
obige Zuweisung des betreffenden Holzschuittes an Wolgemnt sprechen. Nun 
ergiebt aber eine genauere Prüfung des Entwurfes, daß nach allen stilistischen 
Anzeichen derselbe nicht von der Hand Michelis, sondern von der Pleyden: 
wurffis ist. Sonderbar genug: bei der Uebertragung auf den Holzstock ver: 
wandeln sich die reizenden schalkhaften, gefälIigen Putten, die ihr Spiel oben 
im gothischen Laubwerk treiben, vollständig in die von den Bildern Wol: 
gemut7s uns wohlbekannten flämischen, häßlichen Kinder; ans dem äußerst 
charakteristischen, ansdrucksvoll nach oben blickenden Kopf des einen der Wald: 
1nenschen links mit der charakteristischen ausgeworfenen Nase wird ein wüst drein: 
schauender Kopf mit langer gebogener Nase; die scharf bewegten, gespreizten 
Hände Beider verlieren ihre eigenthü1nliche Form. Damit, daß ein unge: 
schickter For1nschneider das Vorbild verderbt und entstellt habe, wird die auf: 
falIende Erscheinung nicht erklärt, denn es handelt sich nicht um eine bloße 
Entstellung, sondern um eine Un1bildung im Wolgemut7schen Geschmacke. Soll 
man nun annehmen, daß Wolgemut seinerseits den Pleydemvursf7schen Ent: 
Wurf noch einmal nachgezeichnet und diese seine Zeichnung dem For1nschneider 
übergeben hat, oder daß er selbst den Holzschnitt nach Pleydenwurff angefertigt 
hatP Beides wäre denkbar, doch hat die erstere Annahme immerhin mehr Wahr: 
scheinlichkeit für sich, da die wohl erhaltene Londoner Zeichnung schwerlich 
direkt als Vorlage für einen Holzfchneider gedient hat. 
Die Erwähnung einer dem Wolgemnt zugeschriebenen Zeichnung legt es 
nahe, die Frage zu erörtern, ob uns echte Zeich nungen des Meisters überhaupt 
erhalten sind. In den meisten größeren Sannnlungen werden Blätter unter 
seinem Namen gezeigt: die größte Anzahl wohl in der zu Erlangen, andere in 
Berlin, Wien, Pest, Paris, London, Basel. Es sind fast Alles breit und 
flüchtig mit der Feder, häufig auf röthlich grnndirtes Papier CErlangenJ hin: 
geseHte Ent1vürfe. Ein gemeinsamer Stilcharakter ist ihnen durchweg eigenthün1lich, 
und derselbe weist auf die Nürnberger Schule und speziell die Richtung Wol: 
gemut7s hin. Der künstlerische Wert aber ist ein sehr verschiedener, und die 
Entscheidung darüber, welche Zeichnungen von Wolgemut selbst, welche von 
Arbeitsgenossen und Schülern ausgeführt sind, wird erst durch ausführliche
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.