Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerschule von Nürnberg im XIV. und XV. Jahrhundert
Person:
Thode, Henry
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-519104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-521042
112 
Die Malerei 
Hälfte 
der zweiten 
IS. Jahrhunderts. 
nähme der Maria mit dem Kinde, neuerdings in die Gallerie iibergeführt worden 
 die Kreuzabnahme aber war ich so glücklich in München wiederzufinden, wo 
sie seit 1888 in der Permanenten Gemäldeausstel1ung von A. Rupprecht7s Nach: 
folget CBriennerstraße 8J unter dem Namen Michael Wolgemut zu sehen ist. 
Jedenfalls war diese Bezeichnung eine angemessenere, als die Ranke7s, der 
ein Originalwerk Rogier7s van der Weyden zu besitzen glaubte. Ein großer 
Jrrthum, der aber insofern entschuldbar ist, als hier wie in der Münchener 
Kreuzigung der Einfluß des großen Meisters von Tournay auf das Schlagendste 
zu erkennen ist. Die nahe Verwandtschaft mit jener macht sich in der kräftigen 
Färbung, in den Typen und namentlich dem Körper Christi besonders geltend. 
Da die Breslauer Bilder nur Bruchstücke sind und vielfach  nach Ranke7s 
Angaben von Professor König  übermalt worden find, hat man sich bei der 
Beurtheilung hauptsächlich an die Kreuzabnahme in München zu halten, die 
freilich auch schon vielfachen Restaurationen hat unterzogen werden müssen, als 
Ganzes aber doch besser erhalten ist. Was zunächst nicht verfehlt, eine starke 
Wirkung hervorzubringen, ist die kühne und großartige, bewegte Komposition. 
Zwei Leitern, die eine vorn, die andere hinten, sind an den hohen Kreuzes: 
stamm gelehnt. Auf der hinteren steht Joseph von Arimathia, der den Leich: 
nam des Heilandes an einem weißen Tuch unter den Achseln hält; die vordere 
erklimmt, in eifriger Bewegung, von rückwärts gesehen mit im Winde flattern: 
dem Gewand, ein Mann, der mit der Rechten den Unterkörper Christi stützt. 
Unten haben sich in angstvoller Theilnahme die Frauen versammelt. Von rechts 
tritt Johannes lebhaft bewegt heran: den linken Fuß auf der Leiter und mit 
der einen Hand sich an derselben haltend, streckt er die Rechte nach dem Fuße 
Christi aus. Hinter ihm steht eine Frau, krampfhaft die Hände ballend und 
aufschauend  ein Profil, das auf das Lebhafteste gewisse Profilköpfe auf der 
Kreuzigung der Pinakothek in7s Gedächtniß ruft ss, und ein sie mitleidsvoll be: 
trachtender Mann, der in der Rechten die Nägel hält. Links ist Maria betend 
auf die Kniee gesunken, ängstlich betrachtet von einer sie stü3enden, gleichfalls 
knieenden Frau. Weiter rückwärts zwei andere Frauen in schmerzlicher Be: 
wegung. Die Landschaft zeigt ein Thal mit Häusern, links Felsen, aus denen 
die Trauernden, die ihren Heiland bestattet haben, herauskommen. 
Die künstlerische Bedeutung und den seelischen Gehalt dieser Darstellung 
sich ganz zu vergegenwärtigen, ist dem Vetrachter leicht gemacht. Er braucht 
nur in die Pinakothek zu gehen und dort jene Tafel des Hafer Altars in7s Auge 
zu fassen, welche den gleichen Stoff behandelt. Wie kalt in Bewegung und Aus: 
druck, wie mangelhaft in der Modellirung des Nackten, wie hart und hölzern er: 
scheint diese Kreuzabnahme mit der von uns betrachteten verglichen. Aber gerade 
ein solcher Vergleich ist nngemein lehrreich und giebt den wichtigsten Aufschluß, 
da er in ganz umviderleglicher Weise beweist, daß der Künstler des Hosen:
        

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