Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerschule von Nürnberg im XIV. und XV. Jahrhundert
Person:
Thode, Henry
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-519104
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-520569
Die Malerei 
Hälfte 
der ersten 
l5. Jahrhunderts. 
aber ist die Wahrnehmung, daß Pfenning hier zum ersten Male einen land: 
schaftlichen Hintergrund giebt, freilich unter Wahrung der goldenen Luft. Auch 
in der Landschaft verleugnet sich seine Vorliebe für kräftige, gesättigte Färbung 
nicht: es sind braune Hügel mit dunkelgrünem Gebüsch, in der Ferne tiefblaue 
Berge, die man sieht. Eine Auffassung der Landschaft also, die von der nieder: 
ländischen jener Zeit durchaus sich unterscheidet. 
Als drittes Zeugniß endlich für diese spätere Richtung des Meisters ist das 
höchst merkwürdige Bild anzuführen, das der im Aachener Museum aus: 
gestellten Sammlung der Frau Weber angehört: eine ,,Bes eh n eid u n g C h ri stiH, 
die, was Gewaltsamkeit der Bewegungen und Derbheit der Typen anbetrifft, 
ziemlich das Höchste bezeichnet, was darin überhaupt zu erreichen ist. Worte 
der Beschreibung für diese Figuren mit ihren, wie von jähen Sturmstößen ge: 
triebenen Gliedern zu finden, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Die un: 
geheure Kühnheit der Einbildungskraft, die stürmische Leidenschaftlichkeit der 
Empfindung und die freie Meifterschaft der Technik versetzen den Betrachter, 
der in der That Anfangs gar keinen Standpunkt finden kann, von dem aus 
ihm eine solche Kunst verständlich werden soll, endlich in einen Zustand wachsen: 
den Erstaunens: was war das für ein Künstler, der in solcher Weise mit un: 
geheuerlicher Willkür die Natur interpretirte9 Wer auf diese Frage dann ant: 
wortete: der erste große Nürnberger, ja deutsche Meister, der mit scharfem Auge 
die Wirklichkeit studirte und nachahmte, würde wohl einem ungläubigen Lächeln 
begegnen, und er dürfte das wahrlich dem Fragenden nicht verargen. 
Durch welche Schicksale dieses Gemälde nach Aachen gelangte, ist nicht zu 
sagen. Das einzige Bild mit demselben Gegenstande, das v. Murr erwähnt, 
befand sich in S. Jobst, dürfte aber schwerlich mit dem unsrigen zu identifizieren 
sein, da auf derselben Tafel noch eine Taufe Christi und unten die Darstellung 
der Kirche selbst sich befand, was auf eine spätere Entstehung hinweist. 
Mit den acht eingehend besprochenen Werken ist die Zahl der Arbeiten, die 
ich als Originale des Meisters bisher aufzufinden vermochte, erschöpft. ,Ein 
neuntes vielleicht wäre ich noch versucht hinzuzufügen, doch handelt es sich hier 
nur um eine Vermuthung, nicht um eine sichere Ueberzeugung. Ich meine ein 
Frauenportrait in der Ambraser Sammlung zu Wien CNr. 66J, das in 
der technischen Behandlung, in der Farbengebnng idem röthlichgelben Fleisch 
und dem röthlichen HaarJ und der scharfen Zeichnung der Hände an die Weise 
unseres Künstlers entschieden erinnert. Es stellt die im Jahre 1436 verstorbene 
J ak o b ä a , G räfi n v o n Holland, die Gemahlin des Herzogs Johann von Bra: 
baut, in brokatenem Gewande auf dunklem Hintergrunde dar und ist offenbar in 
der Mitte des XV. Jahrhunderts, schwerlich noch zu Lebzeiten der Fürstin, ent:
        

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