Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hans Sachs und seine Zeit
Person:
Genée, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-513262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-517458
Tod 
seiner Kunigunde. 
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springende Quell der Poesie ganz langsam, träg und unlieblichtt seinen 
Gang nehme. Das mache ihn verdrossen und klagbar, denn als er das 
vierzehnte Buch seiner Gedichte am I. Juni 1560 besah, fand er ,,nit 
mehr darin, denn 13 stück, daß ich erschrak von Herzen; und gedacht, 
dies würd wol mein legt Buch seinU. Die Zahl der darin enthaltenen 
Gedichte hatte sich allerdings noch erheblich vermehrt, so daß der Band 
schließlich doch noch zwölf dramatische Stücke und vierundzwanzig andere 
Spruchgedichte enthielt, von welchen letzteren aber die größere Zahl 
ungedruckt blieb und auch nichts von besonderem Werte enthält. 
Das wertvollste darin war aber das Gedicht, das er am 19. Juni 
schrieb, und aus welchem wir mancherlei von seiner Persönlichkeit und 
manche für sein Leben bemerkenswerte Angaben erhalten, damit zugleich 
auch die wesentliche Ursache von seiner so gedrückten Stimmung erfahren. 
Denn dieses Gedicht ist zum Gedächtnis seiner Ende März 1560 verstorbenen 
langjährigen Lebensgefährtin Kunigunde geschrieben. Der Verlust seiner 
Frau, nach einundvierzigjähriger Ehe, mußte ihn umso schwerer treffen, als 
er zu diesem Zeitpunkt bereits alle seine Kinder, zwei Söhne und fünf 
Töchter, durch den Tod verloren hatte. Er bezeichnete das Gedicht: 
einen ,,wunderbarlicJ Traum von meiner lieben abgeschidenen 
gemahel kundig11nd SächsinU und seine Schilderung darin, wie er in 
erster Zeit nach ihrem Hinscheiden sich noch gar nicht in den Verlust 
finden konnte, wie er immer an den gewohnten Stätten sie wieder zu 
sehen glaubte, oder wie er einmal meinte, sie sei nur zu einer ihrer 
Freundinnen ausgegangen  wie sie dann einmal, als er in trüben 
Gedanken in seinem Bett entschlasen war, vor seinem Bette erschien, so 
daß er sie mit einem Kuß umfangen wollte, sie aber gleich einem 
Schatten von ihm entwich g: das alles ist in seiner schlichten Weise, 
ohne allen Schmuck der Rede, ohne alle falsche Empfindung, ohne zur 
Erhöhung des Eindrucks gebrauchte Übertreil1ung und Metaphern, so 
natürlich, herzlich und innig dargestellt, daß auch dieses Gedicht unter 
die Perlen seiner dichterischen Schöpsungen zu zählen ist, eben weil es 
in seiner Einfachheit und Kunstlosigkeit die Tiefe und Reinheit seines 
Empfindens um so wahrer und eindrucksvoller wiedergiebttJ. Dasselbe 
gilt von den Betrachtungen, die er dabei über das Jenseits, über zeit: 
liches und ewiges Leben anstellt, und wobei er auch seines vor zwanzig 
 
VI Das Gedicht ist im Anhang 
eigener Handschrift mitgeteilt. 
LNr. 
VI 
in getreuem Wortlaut nach 
des Dichters
        

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