Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hans Sachs und seine Zeit
Person:
Genée, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-513262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-517386
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Sein Bücherverzeichnis. 
seines sittlichen Charakters. Aus diesem Grundzüge seines Wesens 
wurde aber in ihm auch die Überzeugung von seiner ,,poetischen Sendung U 
befestigt. Alle neun Musen, deren Gunst er sich erfreuen und rühmen 
durfte, sie hätten nicht so viel zu leisten vermocht, wenn sie nicht das 
Kommando von seinem so starken Moralitätsgefühl erhalten hätten. 
Das Gold der Wahrhaftigkeit und Rechtlichkeit in seinem Herzen war 
für ihn der unerschöpfliche Schacht, aus dessen Bestand er immer wieder 
neue Münzen prägen und in Umlauf sehen konnte, mit der steten 
Signatur  Hans Sachs. 
Wie fein starker Hang zum Moralisieren in der Strömung seiner 
Zeit lag, so war es doch auch sein lebhafter Bildungstrieb, der ihn zu 
immer neuen Schöpfungen veranlaßte. Die Erzeugnisse der Buchdrucker: 
kunst und die Wiedererweckung der alten Klassiker hatte Ende des 
15. Jahrhunderts noch den Reiz des neuen und außerordentlichen, und 
die Lust daran begleitete auch die Reformationsbewegung. Das Bestreben, 
durch Bücher sich zu unterrichten, war allgemein verbreitet und Hans 
Sachs fühlte dabei das Bedürfnis, alle die Kenntnisse, die er selbst 
durch rastlos fleißiges Lesen der Bücher erwarb, schnell auch anderen 
mitzuteilen. 
Wenn man erstaunen darf, wie viel Hans Sachs geschrieben hat, 
so muß man noch mehr darüber erstaunen, was er zu diesem Zwecke 
alles gelesen hat. Es ist bei vielen seiner besprochenen Dichtungen, 
namentlich den dramatischen, bereits aus die Quellen hingewiesen, aus 
denen er schöpfte, und in den meisten Fällen hat er selbst die Angaben 
nicht versäumt. Ihn bestimmte dazu nicht allein seine große Gewissen: 
haftigkeit, sondern auch häufig die Absicht, mit dem Hinweis auf seine 
Autoritäten die Wahrheit des Erzählten zu begründen. 
Nach der Vollendung seines Generalregisters hatte er in denselben 
Band auch ein Verzeichnis sämtlicher in seinem Besitz, befindlichen 
Bücher eingetragen. Man wird aus diesem Verzeichnis ersehen 
tAnhang VIII es, daß er nicht alles, was er las und benutzte, auch besessen 
hat, aber doch sehr vieles davon. Jn diesem Verzeichnis finden wir 
auch die Sammelbände der kleinen theologischen Schriften, darunter 
besonders auch die von Luther. Er selbst hat sechs solcher Sammel: 
bände verzeichnet, die zusammen 180 Druckschriften umfassen. 
Von den alten Klassikern besaß er: Homer, Ovid, Plutarch, Herodot 
und Herodian; ferner Valerius Maximus, sowie einzelne Schriften von 
Seneca, Suetonius, Apulejus. Die alphabetische Ordnung in seinem
        

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