Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hans Sachs und seine Zeit
Person:
Genée, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-513262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-517148
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Sshauspie1c. 
Die 
alle lassen uns die Mängel in der dramatischen Gestaltung wie bei 
Hans Sachs erkennen  nnd dort gehörten die Reformationsdramatiker 
fast ausschließlich dem Gelehrtenstande an, dort hatten die Theologen 
und Schullehrer die Form der Schauspieldichtung als Mittel für Volks: 
erziehung und Volksaufklärung im Geiste der Resormation ergriffen. 
Als der einzige, der im dramatischen Bau, in der szenifchen Komposition 
seinen Zeitgenossen überlegen war, muß der Zwickauer Schullehrer Paul 
Rebhun Haus Berlin ftammendI anerkannt werden, aber auch nur in 
dem einen Schauspiel von der ,,SusanneU, dies ja überhaupt zu den 
beliebtesten biblischen Stoffen gehörte und neben der herrlichen Geschichte 
des Joseph am hänfigsten dramatisch behandelt worden ist. 
Wenn wir aber Paul Rebhun als hervorragende Ausnahme gelten 
lassen müssen, so haben wir im allgemeinen doch bei Hans Sachs 
einen großen Vorzug allen zeitgenössischen Dramatikern gegenüber an: 
zuerkennen: daß er seine dramatischen Stoffe niemals mit der ans: 
gesprochenen Tendenz der Reformationsdichter verquickte, wie es die 
meisten Schweizer und wie es namentlich in Sachsen Joachim Greff, 
Naogeorgins CKirchmeyerJ nnd andere thaten. Bei Hans Sachs war 
der Geist der Resormation so ganz und gar in seine Dichtung über: 
gegangen, daß er die von ihm gewählten dramatischen Stoffe für sich 
selber wirken lassen konnte. Seine innige Anhänglichkeit an den neuen 
Glauben, seine unerschütterliche Treue darin hatte er seit dem Glaubens: 
bekenntnis in der Wittenbergischen Nachtigall und den Prosa:Dialogen 
noch in vielen seiner späteren Gedichte klar und eindringlich bekundet. 
Aber sein gesunder Sinn bewahrte ihn davor, die nach den Über: 
lieferungen treu dargestellten Begebenheiten durch Hinweisungen auf die 
reformatorische Tendenz in diesem Sinne ausdrücklich zu stempeln. 
Während in dem gesamten Schauspiel des 16. Jahrhunderts diese 
demonftrierende Tendenz die Fortschritte der dramatischen Dichtung ganz 
zweifellos hemmte, begnügte sich unser Hans Sachs, die Stoffe allein 
durch die allgemeinen Grnndsähe der Sittlichkeit und Moralität zu 
beleuchten, und dies besorgte er allerdings in den Prologen und 
Epilogen in ausgiebigster Weise. 
Wir werden aber bei Beurteilung seiner so nnzureichenden ernsten 
Schauspiele außerdem zu berücksichtigen haben, daß das Volksschauspiel 
der Reformationszeit noch in den ersten Kinderschuhen steckte; denn das, 
was man allenfalls aus den mittelalterlichen geistlichen Spielen, wie 
aus den älteren sehr rohen Faftnachtspielen dafür lernen und nutzbar
        

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