Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hans Sachs und seine Zeit
Person:
Genée, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-513262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-516844
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Hans 
Markgraf Albrecht und 
Sachs. 
Abschriften aus alter Zeit erhalten geblieben, die das Gedicht, welches 
durch kühne Phantasie und kraftvollen poetischen Ausdruck zu den 
bedeutendsten und merkwürdigsten Schöpfuugen des Dichters gehört, 
vor dem Untergang bewahrt haben. Die ,,HimmelfahrtH ist, wie man 
denken kann, ironisch gemeint, da es sich in der That um eine Hüllen: 
fahrt handelt, für deren Schilderung er wieder nach seiner alten Gewohn: 
heit bei derartigen Phantasien die Form des Traumes gewählt hat. Jn 
diesem Traume erscheint ihm zuerst der ,,GeniusU, der ihn auffordert, ihm zu 
folgen: Ich will dir zeigen ein KriegSfürsten, 
Den allzeit hart nach Blut was dürften, 
Welcher schier das ganz deutsche Tand 
Mit Krieg erweckt hat durch sein Hand, 
Und dess verderbt ein großer Theil 
UnnüZ ihm selber zum Unheil. 
Der ,,GeniusH führt nun den Dichter zunächst in ein weites und dunkles 
Thal, wo er eine lange Gestalt mit Ächzen, Seufzen und Wimmern 
dahin schreiten sieht, während von allen Seiten die Glocken läuten und 
klägliche Gesänge zu vernehmen sind. Der Dichter meint, das sei wohl 
ein Fürst, der von allem Volke sehr geliebt worden sei. O nein, 
erwidert der Genius, im Gegenteil bedeute das ein allgemeines Froh: 
locken, und wenn sich Klagen darein mischen, so sei das nur deshalb, 
daß der Tod ihn nicht schon vor längerer Zeit abberufen habe. Selbst 
die Fürsten, die im Anfang mit ihm verbündet waren, hätten sich zuletzt 
vor seinen Thaten so entsetzt, daß auch von ihnen keiner ihn möchte 
ins Leben zurückrufen. An diese Einleitung schließt sich nun der Haupt: 
inhalt des Gedichtes in der eindringlichen Beschreibung der Scharen 
und langen Züge aller derjenigen, die durch den Verstorbenen ins Ver: 
derben, in Tod und Elend gerissen worden sind, sei es als unschuldig 
von ihm Bekriegte und Hingeopferte, sei es in seinem Gefolge. Wie 
Hans Sachs hier die Wanderung beschreibt, die er unter Führung seines 
Genius fortset;,t, kommt er in der ausschweifenden Phantasie und in der 
Eindringlichkeit der Farben in der That seinem großen Vorbild Dante 
nahe. Nachdem sie auch über den Styx gefahren sind, bemerken sie 
drüben die Geister aller jener Tyrannen, die sich in der Geschichte durch 
blutige Thaten hervorgethan haben. Er beschreibt den Cerberns und den 
großen Höllenrachen, endlich das furchtbare Feuer, welches im ganzen 
höllischen Haus zu toben beginnt und über dessen Krachen und Prasseln 
der Dichter  erwacht.
        

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