Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hans Sachs und seine Zeit
Person:
Genée, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-513262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-515226
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Vorwort zur 
NachtigallU. 
,,Wittenbergisch 
einem Baume sitzend der Sonne zugekehrt; unter dem Baume sind sowohl 
der Löwe wie die anderen im Gedicht genannten Tiere versammelt, 
während im Hintergrunde auf einem Berg das Lamm mit der Sieges3: 
fahne steht. Das Vorwort, welches zwei Druckseiten füllt, hat die 
Überschrift: ,,Allen Liebhabern evangelis6her Wahrheit wünsch ich 
Johannes Sachs Schuh1narher Gnad und Fried in Christo Jesu unserm 
HerrnU. Nach Schilderung des falschen päpstlichen Gottesdienstes fährt 
er darin fort: 
,,2llso sein wir allein peiniget gewesen in den Werken, die Gott 
nie geheißen noch geboten hat, sondern die Menschen erdicht und erfunden 
haben. Nachdem aber vorgemeldt Römisch bös Regiment so gar überhand 
genommen, da hat angefangen zu schreiben Doctor Martinus Luther 
wider viel Jrrthumb und Mißbräuch des geistlichen Regiments, unangesehn 
einiger person und That; das Evangelium, das Wort Gottes, welches 
vor durch Menschenlehr verdunkelt war, wiederumb klar unvermischt an 
den Tag gegeben, deshalben von dem römischen Bischof oft zu widerrufen 
gedrungen ist worden, jedoch ist er allemal, als ein durch die heilig 
Schrift unüberwundener bei vorher bekannter Wahrheit geblieben ohne 
Widerruf. Desgleichen haben sich vielDoctores gegen ihn mit Schreiben 
eingelegt, jedoch auch niäkts au5gericht, weil die göttliche Wahrheit ihnen 
zu stark gewesen; sondern sind sieglos an ihm worden, deshalb ist 
ehgemeldter Doctor Martinus Luther in großen Beruf gekommen gen 
allmänniglich und seine Sehr ist angenommen als evangelisch, christlich 
und gut. Nachmals aber ist der römische Haufe verzweifelt an der 
Überwindung, durch Disputiren und Schreiben, und wollen die christliche 
Gemein unter römischem Joch behalten, mit Schmähen, Lästern, Bannen, 
Verbieten, Verfolgen und Verbrennen sie bewältigen, welche Weis doch 
ein bös Ansehn hat und argwöhnig ist ungerechter Sache. Nun von 
diesen angezeigten Stücken allen will ich in einer 5umm eine kurze 
Erklärung thun, den gemeinen Mann Csolcher Handlung unwissendJ zu 
unterweisen und lehren, daraus er möge erkennen die göttlich Wahrheit, 
und dagegen die menschlichen Lügen, darin wir gewandert haben   It 
Schon dieses Vorwort zeigt, daß Hans Sachs auch der Prosa 
vollkommen mächtig war, obgleich er sie, abgesehen von solchen Vor: 
worten, nur in ein paar einzelnen Fällen noch anwendete, die uns 
sogleich beschäftigen werden, weil sie sich sowohl in der Tendenz wie 
auch der Zeit nach an die Wittenbergisch Nachtigall anschließen. 
Der in dem Vorwort vom Dichter angegebene Zweck, ,,den gemeinen 
Mann, welcher unwissend, der Begebenheiten zu unterweisenH, ist ihm 
aber in so hohem Maße in Erfüllung gegangen, daß es sein Herz mit 
inniger Freude erfüllen mußte. Daß die Dichtung des schlichten
        

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