Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Hans Sachs und seine Zeit
Person:
Genée, Rudolph
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-513262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-514879
Versuche im Dichten. 
Diirers 
107 
hat die letzte Verszeile der Strophe elf Silben und entspricht unseren 
fünffüßigen Jamben. So lautet ganz rhythmisch die letzte Zeile der 
dritten Strophe: 
manchem 
Von 
ward 
Ritter 
Um 
gew0rben. 
Diesem jambischen Rhythmus entspricht aber 
zeile in der Schlußstrophe, welche lautet: 
keineswegs 
die 
letzte Vers: 
bringt Rosen, 
Zeit 
fPkicht von Nürnberg 
Hans STTHses 
Bei gänzlichem Verzicht auf den rhythmischen Gang des Verses 
wird man aber auch hier die für die bestimmte Zeile erforderliche Zahl 
von elf Silben haben. Diese Beschränkung des dichterischen Ausdruckes 
auf das bloße mechanische Silbenzählen war übrigens keineswegs allein 
den Meisterfingern eigen. Bezeichnend dafür sind einige Bekenntnisse, 
welche unserers Dichters älterer Zeitgenosse DÜrer uns über seine 
dichterischen Versuche aus dem Jahre 1509 hinterlafsen hat. Bei feiner 
bekannten Vielseitigkeit hatte Albrecht Dürer auch sehr das Verlangen 
zu dichten. Aber er hatte in feinen ersten Versuchen nur darauf Bedacht, 
daß von den ,,ReimenH, die er machte, ,,einer so viel Silben hätt, als 
der ander, und ich meinet, ich hätts wol getroffenU. So schrieb er 
denn die Verse: 
Du aller Engel Spiegel und Erlöser der Welt, 
Dein große Marter sei für mein Sünd ein Widergelt. 
Er hatte diese Reime seinem Freunde Pirkheimer gezeigt, der aber 
,,spottet mein und sagte, kein Reim sollt mehr denn acht Silben habenH. 
Da bemühte sich denn Dürer mit einem Gedicht von achtzehn achtsilbigen 
Verszeilen, aber da Pirkheimer auch an diesen kein Gefallen fand, so 
schickte sie Diirer dem gelehrten Ratsschreiber Lazarus Spengler, damit 
dieser ihm den Jnhalt des Gedichtes nach seiner Weise in Reime bringe, 
was denn auch Spengler that, hernach aber den Künstler darüber ver: 
spottete, daß er meine, alles zu können8s. 
Von den Hans Sachsischen Jugendliedern ist noch eines, das er 
1516 nach seinem eigenen Ton ,,Die überhohe BergweisU schrieb, 
charakteristisch für die Form, indem er auch hier noch mit Vorliebe die 
ein, und zweisilbige Reimzeile anwendete. Diese ,,BergweisU gehört zu 
VI Die Gedichte sind alle 
,,Reliquien von Albrecht DürerE 
den 
in 
Voll 
Campe 
herausgegebenen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.