Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-506428
Die Vorbereitungszeit, 
1150s 
s1190. 
woraus entnommen werden kann, daß sich damals bereits ein Sagcnkreis um 
seine Person gebildet hatte, obgleich derselbe merkwiirdigerweise nicht in seinem 
Heimatlande entstanden war. ,.Karl, der sich der alten deutschen Heldenlieder so 
treulich angenonnnen,sI sagt Uhland, ,,sollte doch nicht in der ihm selbst angeborenen, 
sondern in einer fremden Sprache den vollen Dank der Poesie empfangen.U Jn 
der altsranzösischen Poesie hat sich die karolingische Sage und zwar von An: 
sang an mit kirchlicher, legendenhafter Färbung ursprünglich ausgebildet und ist 
von Gallien erst ans deutschen Boden verpflanzt worden. Schon unter Karl dem 
Dicken tvgl. S.28J hatte sich die Sagenbildung des größeren Ahnherrn bemächtigt, 
und seitdem war eine von Jahrhundert zu Jahrhundert wachsende Zahl von 
Liedern entstanden, die Karls des Großen Krieg gegen die Ungläubigen in Spanien 
feierten und daraus einen fabelhaften Krcnzzug gestalteten, der dann in der 
Zeit der Völkerziige nach dem heiligen Grabe neue Nahrung empfing. Ja, man 
dichtete Karl sogar eine Wallfahrt nach Jerusalem an, stellte ihn als einen Knecht 
Gottes dar, der alle seine Thaten im bestimmten Auftrags Gottes vollbrachte, 
umgab ihn mit zwölf Helden, die als strcitbare Apostel erschienen und denen auch 
der Verräther nicht fehlte. Zu Jerusalem sollten er und seine zwölf Genossen die 
Dornenkrone des Heilands empfangen haben  da fing dieselbe an zu blühen 
nnd so köstlichen Geruch zu verbreiten, daß sie alle meinten im Paradiese zu sein. 
150 Jahre nach Karls Tode findet sich diese Sage von seinem Heerzuge nach 
Jerusalem schon in einer lateinischen Mönehschronik. Dann aber trat seine Person 
immer mehr hinter seinen Genossen zurück, oder vielmehr : sie bildete den geistigen 
Mittelpunkt des Ganzen, wie Uhland es in seinem schönen Gedichte: ,,Kaiser Karls 
Meerfahrttt so charakteristisch dargestellt hat. Einer nach dem andern treten da die 
Zwölfe mit wenigen scharfen Zügen gezeichnet hervor, erst im Augenblick der höchsten 
Gefahr, wo die That allein helfen kann, erscheint zum Schluß Karl selbst: 
Der König Karl am Steuer saß, 
der hat kein Wort gesprochen; 
er lenkt das Schiff mit festem Maß, 
bis sich der Sturm gebrochen. 
Unter den Zwölfen gelangte aber einer zu besonderem Ruhme: der historisch 
kaum genannte nnd gekannte Roland, und das von ihm handelnde Gedicht ver: 
tritt bei uns fast ausschließlich den ganzen karolingischen Sagenkreis, obgleich es 
auch sonst an einzelnen eigentii1nlichen Ueberliefernngen von Karl dem Großen 
nicht fehlt. Das Andenken an den Roland aber hat sich am lebendigsten i1n 
Volksmunde erhalten, in den Pyrenäen heißen noch heute Berge, Felsen, Blumen 
nach ihm. Vor allem zeugt dafür dort, wo der grüne Rhein das Gebirge verläßt, 
das er in grauer Vorzeit zwischen Bingen nnd dem Siebengebirge durchbrochen 
haben soll, auf steile1n Fels der alte Fensterbogen, eine Rnine von Rolands 
angeblicher Burg, das vielbesungene Rolandseck. 
Der Ursprung der Rolandssage schreibt sich von einem sehr unbedeutenden 
Ereignisse her. Einhart, Karls d. Gr. mehrerwähnter Biograph, erzählt uns,
        

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