Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-506375
Geschichte der 
mittelhothdeutfchen 
DichtU119i 
1l50s 
s1500. 
Engelehören Zins zu fordern. Trog. des Abmahnens der älteren Rathe eilt er  1tnersättlich 
wie die Hölle  seinem neuen Ziele zu, gelangt an die Mauer des Paradieses und bei 
gehrt Einlaß, da überreicht ihm ein alter Mann einen wunderbaren Stein, aus dem soll 
er lernen, wie es um ihn stehe, und u1nkehren. So an der Paradiesespforte abgewiesen, 
eilt er nach Griechenland zurück, bernst alle Weisen der Erde, aber niemand vermag den 
Sinn des Steines zu deuten, endlich belehrt ihn ein Jude, der Stein sei ein Bild seines 
Hochmuthes,sdas Paradies lasse sich nicht mit Gewalt gewinnen nnd nicht mit Gierig keit; 
ins Paradies komme nur, wer sich selbst iiberwinde und seine Gierigkeit beherrschen lerne; 
so solle er an seinen Tod denken und in sich gehen. Alexander aber nimmt die Lehre 
zu Herzen, wird still und demüthig, regiert zwölf Jahre lang mit Weisheit und Milde, 
und stirbt dann. ,,Jhm bleibt Erde sieben Schuhe lang wie dem allerär1nsten Mannli, 
aber seine Sünden sind ihm vergeben. 
Jn diese Klasse von Gedichten 
und der kunjge bu0chJ, ein Werk 
um 1147 abgefaßt ist. 
gehört auch die Kaiserchronik CDer keiser 
von 18,578 Rein1zeilen, das wahrscheinlich 
Die Kaiserchronik beginnt mit der Erbauung Roms und erzählt dann bunt und vers 
Worten von römischen Königen und Kaisern, die aber eigentlich deutsche Könige mit Römer; 
namen sind, und knüpft daran die Geschichte der deutschen Kaiser bis auf Konrad III. Jn 
diese oft wunderliche Geschiihtserziihlung werden nun allerhand Heiligengeschichten, Legens 
den, Sagen, Märchen eingeflochten. Der Grundgedanke aber ist: das deutsche Reich des 
Mittelalters sei die Erfüllung aller früheren weltbistorischen Verheißungen und ,,die volle 
Blume, zu der die tiefe, in die Vorzeit eingeschlagene Wurzel den Saft getriebenA  
Maßmann, der die Kaiserchronik herausgegeben, sagt von ihrem Inhalt: ,,Um die Grunds 
pfeiler der Anschauung und Erbauung ranken sich die lebbaftesten und lieblichsten Bilder: 
schöne züchtige Frauengestalten, daneben herrliche Heldengestalten tapferer Herzöge, gerechter 
Könige und Kaiser; ferner die lebendigen Schilderungen von besondern Kämpfen und Welts 
schlachten. Scheint dort bei den verborgenen Führungen des menschlichen Herzens ein 
Geistlicher zu sprechen, so wird uns bei jenen lebhaster gelungenen Schilderungen von 
Schlachten wieder ganz kriegerisch zu Muthe: Speere klirren, Schwerter klingen, Ströme 
Blutes rinnen; dazwischen wieder das GliHcrn goldener Tischgefäße und Schüsseln, die 
zu fürstlichen Tafeln getragen werden.U  
Das bedentendste dieser Gedichte, das zugleich den Uebergang der Poesie von 
den Geistlichen an die Ritter rharakterisirt, ist die Aeneide cEneitj des Nieder: 
dentschen HeinridJ von Veldeke, nach einem französischen Virgil cRoman 
d7EneasJ gedichtet nnd 1189 vollendet, ein beliebtes Lesebnch der damaligen 
feinen Welt, namentlich der Damen, und mit zahlreichen Miniaturbildern, welche 
die in dem Gedicht erzählten Begebenheiten darstellten, ans3geschmiickt. Die Bilder: 
handschrift befindet sich in der königlichen Bibliothec zu Berlin: die Jllustrationen 
bestehen ans Federzeichnnnge11 mit verschiedensarbigen Tinten; die Gründe der 
Bilder sind mit Farben ausgefüllt und mit anders gefärbten Rändern 1nngeben. 
Ehe wir die ,Eneits weiter besprechen, erzählen wir von ihrem Dichter, in 
dessen Leben sie einen hervorragenden Platz einnimmt. 
Heinrich von Veldeke war aus ritterbürtigecn Geschlecht und ftammte aus der 
Gegend der Abtei St. Tkuyden in den Niederlanden. Sein Name schon deutet auf seine 
Heimat, denn Veldeke ist die 11iederdeutfche Verkleineru11,c1 von Feld. Aus seiner Jugend: 
zeit wissen wir nichts vdn ihm, doch ist es anzunehmen, daß er sich früh mit nordfrani
        

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