Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-511942
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der 
Geschühte 
neuhochdeUtfThSU 
Dichtung. 
eine neue Auflage des Wilhelm Meister vor. He.rmann, der Sohn eines Lüberker 
Senators, läßt sich vom Zufall führen und erlebt dabei allerhand Abenteuer mit in: 
terefsanten Frauen: mit FiamettaCFlämmchenJ, in der Mignon neuerstanden ist; Je: 
hanna, einer unehelichen Schwester des Herzogs, die sich später auch als seine eigene 
Schwester entpuppt und ihm die schöne und reiche Cornelie zuführt, mit der er früher 
schon verlobt gewesen. Durch Corneliens Vater, einen Comn1erzienrath, dem die Güter 
seines wahren Vaters, des Herzogs, verpfändet sind, erhält er so zum Schluß die ihm 
von Rechtswegen zukommenden Besitzungen.  So modern die ganze Geschichte auch ist, 
so ist doch ihr Grundzug ein wehmiithiger Rückblick in die Vergangenheit. So heißt es 
an einer Stelle: ,,Der Fluch des gegenwärtigen Geschlechtes ist, sich auch ohne alles be: 
sondere Leid unselig zu fühlen. Ein ödes Wanken und Schwanken, ein lächerliches Sich: 
ernststellen und Zerstreutsein, ein Haschen, man weiß nicht wonachT9 eine Furcht vor 
Schrecknissen, die um so unheimlicher sind, da sie keine Gestalt habenl Man muß noch 
zum Theil einer anderen Periode angehört haben, um den Gegensatz der Zeiten ganz 
empfinden zu können.   Wir sind, um in Einem Wort das ganze Elend aus: 
zusprechen, Epigonen CNachgeboreneJ, und tragen an der Last, die jeder Erbe und 
Nachgeborenschaft anzuflehen pflegt.tt Der Kampf der neuen Zeit mit der alten, der 
weniger zu einem Siege, als zu kühle: Ergebung führt, findet seinen lehrhaften Ausdruck 
in zahlreich eingestreuten Gesprächen und Bemerkungen über sittliche, sociale, ökono: 
mische, literarifche und politische Zustände, die oft die Handlung in störender Weise 
hemmen. 
Um so bedeutender war Jmmermanns zweiter Roman oder ,,eine Geschichte in 
Arabesken,ss wie er ihn nannte: ,,Münthhauseu,0 der 183s ekschiek1,..  Auf Skhnikk, 
Schnack:Schnurr, dem baufälligen Schlosse seiner Ahnen, lebt der alte Baron von 
SchnucksPuckeligs Erbsenfch euch er, der allmählich sein Vermögen verwirthschaftet, 
in der gewissen Hoffnung, jeden Tag als Geheimer:Rath in das höchste Collegium 
eintreten zu können und dann nach dem Scheitern dieser Hoffnung dieselbe doch als 
fixe Jdee noch immer nährt, mit seiner ebenfalls bejahrten, sentimentalspriiden Tochter 
Emerentia und einem Schulmeister, dem die neubefohlene Lautlehre den Verstand 
verwirrt hat, so daß er seinen Namen:. Agesel in Agesilaos umwandelt, weil er 
sich einbildet, von Spartas Königen abzustamucen. Jn dieses merkwürdige Kleeblatt 
mehr oder minder hirnverbrannter Menschen schneit eines schönen Tages der Enkel des 
berühmten Lügen:Münchhausen hinein und bringt ein neues Leben in die wunders 
liche Gesellschaft. Seine endlosen Geschichten, die in geistreich satirischer Weise die socialen, 
politischen und literarischen Zustände der Zeit geißeln, ermüden aber zuleHt die anfangs 
ganz hingerissenen Zuhörer in solchem Maße, daß der Liigenschmied, um seinen Einfluß 
zu behaupten, den Plan einer Luftoerdichtungsaktiencompagnie erfchwindelt, 
von deren Verwirklichung er dem Baron die fabelhaftesten Erfolge verheißt. Ta der alte 
Herr die Sache aber ganz ernsthaft nimmt, und sein Freund nun nicht aus der selbst; 
gelegten Schlinge heraus kann, kommt es darüber zwischen beiden zum Bruche; Mü11khs 
hausen verschwindet auf räthselhafte Weise; der alte Schloszherr, der in gesteig8MM 
Wahnßnn sein Haus zum völligen Sturz gebracht, wie Agesel, kommen wieder zu 
Verstande; Emerentia, die in ihrer wahnwiHigen Schwärmerei sich in Münchhausens 
sehr materiell gesinnten Diener Karl Buttervogel verliebt, weil sie ihn für einen 
verkleideten Fürsten gehalten, dem sie einst als junges Mädchen in Nizza ihr Herz ges 
schenkt, wird endlich enttäuscht und gewahrt, daß Münchhausen selbst der einstige Jugends 
geliebte ist. Karl Buttervogel, der ganz unverfroren dem Baron die Absicht kunds 
gibt, seine Tochter zu ehelichen, wird hinausgeohrfeigt und sucht das Weite.  In dieses 
Zerrbild aus dem Leben des heruntergekomn1enen Abels ist nun eine ganz reizende, 
urwüchsigfrische westfälische Tsorfgeschichte so lose hineingewebt, daß Es Z1EUEks 
dings unter dem Titel: ,,Der ObekhofU hat besonders herausgegeben werdenskonnen.
        

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