Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-511848
der 
Gesk1;ichts 
neuhochdcUtfThEU 
Tichtungs 
und Wielands Sohn kennen, und im U1ugang mit ihnen erwachte mit einem Male sein 
schluminerndes poetisches Talent; dort entstanden seine ersten Dramen: ,,Die 
Familie SchrofsensteinU und ,,der zerbrochene Krug.U TroZdem hielt er 
auch dort nicht lange ans: 1s02 war er schon wieder in Deutschland, 1803 abermals in 
Paris. Zu den Leiden seiner ruhelos hin und hergezerrten Seele gesellte sich die peins 
lichste materielle Noth. Jus Vaterland zurückgekehrt, erhielt er eine ganz untergeordnete 
Anstellung in Berlin, später in Königsberg, von der er kümmerlich sein Leben fristete. 
Da wurde er 18o7 auf einer Fußreise von den Franzosen, die ihn für einen Schillschen 
Ossizier hielten, festgehalten, nach Frankreich geschleppt, mehrere Monate in Chalons ge: 
fangen gehalten und erst im folgenden Jahre wieder freigelassen. Zurückgekehrt versuchte 
er es auf alle Weise, sich durch Herausgabe von Blättern und Ausführung seiner Tramcn 
Anerkennung zu schaffen, aber alle seine Bemühungen waren vergeblich. Auch seine zwei 
bedeutendsten Dranien: ,,Das Käthchen von HeilbronnH nnd ,,Prinz Friedriih 
von HomburgU fanden keinen Beifall. Immer unheilvoller zogen sich die düsteren 
Schatten über dem unglücklichen Dichter zusammen: das Elend des Baterlandes, wie das 
Elend seines zerrissenen Jnnern nagten gleicherweise an seinem Herzen. Da machte er 
in Berlin eine Bekanntschaft, die ihn vollends in den Abgrund reißen sollte, die der 
musikalisch äußerst begabten Frau Henriette Vogel, die sich einbildete, an einer uns 
heilbaren Krankheit zu leiden. Ohne daß je ein leidensrhastliches Verhältnis zwischen 
ihnen stattgefunden, fühlten sie sich doch zu einander gezogen, und in einem Augenblick 
der Aufregung nahm sie ihm das feierliche Versprechen ab, ihr jeden Frei: ndschaftss 
dienst zu leisten, den sie von ihm fordern werde. Jm November ts11 bat 
sie ihn, mit ihr nach Potsda1n zu fahren; da mahnte sie ihn an sein Wort und verlangte, 
daß. er sie tödten solle. Er erklärte sich bereit dazu. Nachdem sie beide die Nacht mit 
Briefschreiben zugebracht, begaben sie sich am 21. November an das Ufer des einsamen 
Wansees, und dort erschoß der 1lngliickliche erst sie, und dann sich selbst. 
Es war eine trübselige That der Verzweiflung an einer eigenen besseren Zukunft, wie 
an einer solchen für Deutschland. Jn seinem ,,letHten LiedeH hatte er gesungen: 
Und stärker rauscht der Sänger in die Saiten 
Der Töne ganze Macht lockt er hervor, 
Er singt die Lust, fürs Vaterland zu streiten, 
Und machtlos schlägt sein Ruf an jedes Ohr;  
Und wie er flatternd das Panier der Zeiten 
 Sich näher pflanzen sieht, von Thor zu That, 
Schliefzt er sein Lied; er wünscht mit ihm zu enden,  
Und legt die Leier thränend aus den Händen. 
Wie Kleists Leben, so war seine Poesie: ungeachtet aller großen Vorzüge, die ihn 
als das größte dramatische Talent seit Schiller kennzeichnen, geht doch ein herb diisterer, 
oft dämonisch leidenschastlicher Zug durch die meisten seiner Dichtungen. So wird gleich 
in seinem ersten Trama: ,,Die Familie Schroffenstein,H das den Kampf UND 
Untergang zweier edler Häuser zum Gegenstand hat, ,,die Selbstzerstörung der düstersten 
aller menschlichen Eigenschaften, des Argwohns,U fchonungslos dargestellt. Tem einen 
der feindlichen Häuser ist der Sohn gestorben  es hält den Todesfall für einen Mord, 
den die andere Linie begangen, und schwört blutige Vergeltung. Als die Mutter des 
Knaben vor dem Schwur zurückbebend ausrust: ,,O Gott, wie soll ein Weib sich rächenPu 
erwidert ihr Gemahl: ,,Jn Gedanken. Würge sie betendt9 Mit diesem gräßlichen 
gotteslästerlichen Rathe beginnt der Kampf um eines ,,selbstgemachten PhantomsU willen, 
und Schuldige wie Unschnldige gehen darüber zu Grunde.  
In einem anderen Trauerspiel: ,,PenthesileaU schildert er in den AkUhEkIdfk2U 
Farben diese.entfet5liche Aniazonenlönigin, wie sie zuerst indem falschen CLICUVSU, Ihren
        

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