Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-511066
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Dichtung. 
Geschichte der neuhochdeutschen 
:rl. v. 
cgefeld. 
Bitte: 
riechen: 
nds. 
mehr noch das immer stärker werdende Verlangen nach einer gesicherten Lebensstellung, 
auf die ihn des Herzogs Karl August wiederholte Ermuthigung in Weimar wol rechnen 
lassen durfte. Am 21. Juli traf er in der herzoglichen Residenz ein; sie schien leer, der 
Herzog war im preußischen Lager, Goethe noch in Italien. Auch die regierende Herzogin, 
die, wie Schiller wußte, seine Dichtnngen liebte, war von Weimar entfernt. Mit Herder 
nnd Wieland bahnte sich nur langsam ein Verkehr an. Dagegen fand er Charlotte 
von Kalb, und die Herzogin Amalia ,,hatte die Galanterie, sie zusammen zu bitten.H 
Mit Charlotten feierte er in Knebels Garten Goethes Geburtstag, mit ihr fuhr er nach 
Jena, kurz  sie waren täglich beisammen. Jhr schwär1nerisches Verhältnis wurde 
ähnlich dem Goethes zu der Stein in Weimar respektirt, als müsse es so sein. Charlotte, 
die sich in ihrer Ehe höchst unglücklich fühlte, scheint an eine Scheidung gedacht zu haben, 
um Schiller heirathen zu können. Zu seinem Heil entging der Dichter noch rechtzeitig 
dieser Gefahr; er hat es später erkannt, daß der Einfluß dieser Frau auf ihn kein 
wohlthä,tiger gewesen sei. Charlotte ist auch die ,,TitanideU Jean Pauls, den sie zehn 
Jahre später auf einige Zeit fesselte, der ihr aber, wie vor ihm ihr Hauslehrer Höl: 
derlin, glücklich entschlüpste. Durch die nnredliche Handlungsweise ihres Schwagers kam 
sie später um ihr ganzes Vermögen und versank in immer tieferes Elend;  als sie 1820 
erblindete, erbarmte sich die Prinzefsin Marianne von Preußen ihrer und bereitete 
ihr ein Asyl in einem Mansardenzi1nmer des königlichen Schlosses zu Berlin, wo sie fast 
82 Jahre alt im Mai 1843 starb. 
Was Schiller von jener unglücklichen Frau rettete, war die Liebe zu einer anderen 
Charlotie, der Tochter der verwitweten Frau von Lengefeld, und die Freundschaft 
zu Charlotteus älterer Schwester Caroline. Fliichtig hatte er die drei Damen schon in 
Mannheim kennen gelernt. Jm Dezember besuchte er seine alte Freundin nnd Wohls 
thäterin, Frau von Wolzogen; in Meiningen; mit ihrem Sohne, seinem alten Schnls 
freunde, ritt er an einem trüben Tezembertage nach Rudolstadt, um die Bekanntschaft mit 
der Wolzogens nahe verwandten Familie V. Lengeseld zu erneuern. Schiller fühlte sich 
sofort wohl nnd frei in dem Kreise dieser liebenswürdigen und geistig angeregten Familie, 
und es wurde ihm schwer, sich von ihr zu trennen. Im Frühjahr 1788 trat er mit den 
beiden Schwestern in Briefwechsel; im Mai nahm er, des ungezwungenen Lebens halber, 
seinen Aufenthalt in Volkstedt, eine halbe Stunde von Rudolstadt. Dort lebte er im 
vertrautestcn Verkehr mit Lengefelds, arbeitete fleißig an der ,,Geschichte der niedere 
ländisschen Rebellion,tt zu der er durch den ,,Don CarlosU geführt worden war, und 
las den Damen die einzelnen Abschnitte vor, wie sie vollendet waren; auch der Roman: 
,,Der GeisterseherU beschäftigte ihn, aber in dem Maße immer weniger, als er unter 
dem Einfluß der neuen Eindrücke ,,ruhiger und klarer, und sein Geist den phantastistheU 
Ansichten des Lebens, die er bis dahin nicht ganz verbannen konnte, abgeneigter ward.U 
Im Juli 1788 kam sein Geschichtswerk zum vorläufigen Abschluß; es ist ein BruTk1s1üsk 
geblieben, das mit der Begründung von Albas Herrschaft endigte. Von der gegen; 
wärtigen Geschichtsforschung längst überholt, ist doch die Kunst der geschichtlichen Dars 
ste1lung darin zu bewundern, und sie läßt das Werk noch in unserer Zeit lesenswerth 
erscheinen. 
Mit seinen Geschichtsstudien ging Hand in Hand eine Vertiefung in das AItskt1lM, 
für das ihn Voßens HomerüberseHung neu begeistert hatte. So entstand schon mitten 
unter den Vorbereitungen seiner niederländischen Geschichte seine Elegie von den ,,Göts 
tern Griechenlands,H die Wieland im ,,Deutsch en MerkurU zuerst veröffentlichte. 
Dieses ,,melancholisch schöne Gedicht,tt wie Wolfg ang Menzel es nennt, das den Unter: 
gang der heitern griechischen Götterwelt beklagt, bezeichnet einen entschiedenen Bruch mit 
der christlichen Weltanschauung. Nicht un; Graf F. L. Stolberg tadelte es in diesem 
Sinne, indem er es deutlich anssprach: ,,die Poesie kann, wenn f1E.PVSiIE iSU1 
will, nicht die Unwahrheit im Gegensatz gegen die Wahrheit fS1EkU WVUtF11u
        

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