Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-510770
Das 
XVlIl. 
Jahrhundert. 
Goethe 
und 
Schiller. 
431 
Herz, mein Herz, was soll das geben,  
Was bedränget dich so sehrP  sit 
wie eine sehnsüchtige Klage aber klang der Schluß: 
Und an diesem Zauberfädchen, Muß in ihrem Zauberkreise  
Das sich nicht zerreißen läßt, Leben nun auf ihre Weise. 
Hält das liebe lose Mädchen Die Verwandlung, acht wie großt 
Mich so tvider Willen fest; Liebet Liebe las; mich los2 
Drei Monate lang währte das Liebesspiel und Liebesbemühen der beiden;  Monate, 
in denen Lili ihren dichterischen Verehrer dadurch zu fesseln suchte, daß sie ihn abwechselnd 
eifersüchtig machte nnd wieder beruhigte, während er sein Herz in den wunderlichen 
Briefen an ,,Gustchent, ausskhiittete und sich in seinen Poesien zu erleichtern suchte. 
 wenn ich jeHt nicht Dratnas schriebe, ich ginge zu Grundes, seufzte er. So entstand 
das kleine Schauspiel: ,,Erwin und Elmire,tt in dem die Gefallsucht eines Mädchens, 
die dem Geliebten zur Pein wird, vielleicJt Lili Warnen sollte. So entstand ,,Claudine 
von Villa Bella,tl auch das Sturms und Drangprodukt: ,,Stella. Ein Schauspiel 
für Liebende,ll das in krankhafter Lebensauffassung noch viel weiter ging, als das selt: 
same Doppelverhältnis Goethes zu Lili und Gustchen. Es rechtfertigt in seiner ursprüng: 
lichen Fassung die Doppelehe und ist mit Recht ein ,,verzerrtes Gegenbild zum Wertherlt 
genannt worden. Es ist ein von Anfang bis zum Ende verlehendes und peinvoll 
wirkendes Stück. 
Der Held Fernando, ein charakterloser Lump, verläßt seine tugendhafte Gattin Siena. 
Cäcilie und seine Tochter, um mit der schönen Stella, in die er sich verliebt, zu leben. 
Dann verläßt er auch diese, geht in den Krieg und findet bei seiner Heimkehr seine beiden 
Frauen beisammen, die dann einwilIigen  auf den Vorschlag der ersten rechtmäßigen 
Gattin  wie die Frauen des Grafen v. Gleichen, ihm beide anzugehören. 
Ja dieser Fassung schickte Goethe das Stück nicht nur an seine Freunde und 
Freundinnen Lan Lili später mit einer eigenen Widmungs, er ließ es auch drucien, und 
auf allen deutschen Bühnen wurde es ohne Anstoß gegeben, auch in Berlin ungeachtet 
des Miszfallens, das Friedrich der Große daran zu erkennen gab lspäter wurde es vers 
botenJ. Erst lange Zeit nachher, im Jahre 1S05, hielt es Goethe doch für angezeigt, den 
Schluß dahin zu ändern, daß Fernando sich erschießt und Stella Gift nimmt. Ja dieser 
Fassung steht es seitdem in Goethes Werken. Bernahs theilt die originale Fassung in 
feinem ,,Jungen Goethes mit. 
Jnzwischen hatte das Verhältnis des Dichters zu Lili fortgedauert ,,mit Hangen 
und Vangen.lt An eine Verlobung schienen beide nicht zu denken, ihnen beiden war 
eine solche kein naheliegendes Bedürfnis, und die beiderseitigen Familien waren keines: 
weges für ein Ehebündnis der Liebenden eingenommen. Da legte sich eine mit beiden 
Familien besreundete alte Jungfer, Demoiselle Delf, ins Mittel, leitete hüben und 
drüben die Unterhandlungen nnd feste schließlich eine, allerdings etwas steif gerathene 
Verlobung in Scene. ,,Jch stand,tl so erzählt uns der alte Goethe, ,,Lili gegenüber Späne ais 
und reichte meine Hand dar. Sie legte die ihre, zwar nicht zaudernd, doch r WANT 
langsam, hinein. Nach einem tiefen Athemholen fielen wir einander lebhaft bewegt in 
die Arme.tt  Das war aber nichts als der Anfang vom Ende  im April hatte die 
Verlobung stattgefunden, und schon im Mai schrieb Goethe an Herder, daß alles vorbei 
sei. Allerdings ganz vorbei war es damals noch nicht, aber Goethe fand sich als 
Bräutigam höchst unbehaglich, seiner Schwiegermutter war er nicht vornehm und 
reich genug, seinen Eltern sagte die ,,Staatsdamett Lili nicht zu  beiderseitig bcdauerte 
man die abgenöthigte Einwilligung; dazu setzte Goethes kurz zuvor an Schlosser ohne 
Neigung verheirathete Schwester Cornelia alles in Bewegung, um die Verlobung rükk, Schwer. 
gijngig zu machen. Die Reise in die Schweiz mit den Grafen Stolberg Cvgl. S. 359J, kkjs,, Z
        

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