Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-510622
Dichtung. 
Friederikens von Sesfenhei1n, der er sie geschenkt hatte. Auf dem Vorsahblatt steht noch 
der Name: ,,Brion.lt 
Auch eine Reihe kleiner Lieder, deren Charakter Goethe selbst als ,,sittliche 
Sinnlichkeitst bezeichnet, entstand in Leipzig; sie bildeten den Anfang seiner lyrifchen Dich: 
tung und das Erste, was von ihm im Buchhandel erschien. Sie sind übrigens mehr 
finnlich als sittlich und verrathen den Einfluß der Wielandschen Poesie, die Goethe damals 
noch bewunderte: es offenbart sich aber schon in ihnen das ihm ureigne Talent, in wenig 
einfachen Worten ,,ein Gefühl zugleich nur leise anzudeuten, zu erschöpfen und doch wieder 
als unerfchöpflich zu geben.tt Nur wenige jener Lieder  und diese stark iiberarbeitet  
hat Goethe in die Gesamtausgabe feiner Werke aufgenom1nen.i 
Die leHte Zeit seines Leipziger Aufenthaltes wurde durch eine schwere Erkrankung 
getrübt: im August 1768 erwachte er eines Nachts mit einem heftigen Blutsturze und 
schwebte einige Tage zwischen Leben und Tod. Nachdem er leidlich hergestellt war, kehrte 
er  noch ein ,,Kränklingts  in das Vaterhaus nach Frankfurt zurück. Hier genas 
er allmählich unter dem wohlthuenden Einflusse der mütterlichen Pflege, verkehrte auch mit 
den Freundinnen der Mutter, insbesondere mit der bereits erwähnten Katharina von 
Klettenberg, die fortdauernd auf ihn eine mächtige Anziehungskraft übte. ,,Jhre 
Gegenwart,ti gesteht er, ,,beschwichtigte meine stürmischen, nach allen Seiten hing 
strebenden Neigungen und Leidenschaften wenigstens für einen Augenblick.tt Außer den 
erbaulichen Schriften der Brüdergemeinde, die er auf Veranlassung seiner frommen 
Freundin las, studierte er mystifchskabbalistifche Werke, trieb chemische und alche1nistisöhe 
Studien, zeichnete, übte sich in Radirungen 2c., dachte aber gar nicht an die Jurisprudeuz. 
Um ihn zu derselben zurückzuführen, sandte ihn fein Vater im April t770 nach Straße 
burg; wo die entscheidende Wendung in feinem Leben und Dichten eintreten sollte. 
Während er auc:h in Straßburg das Studium, das nach des Vaters Wunsch die 
sHauptsache hätte sein sollen, wieder nur als Nebensache betrieb, verschwenden er doch 
seine Zeit nicht, setzte feine philosophischschemifchen Studien fort und folgte den mannigs 
fachen Anregungen, welche er in der unter des Actuarius Salzmann Vorfih bei den 
Jungfern Lauth vereinigten Tifchgesellschaft empfing. Außer dem trefflichen Salzmann, 
dessen Briefwechfel mit Goethe 1870 beim Bombardement in der Straßburger Vibliothek 
mit verbrannte, gehörten dazu die uns schon bekannten .,Originalgeniesit L enz CS.399J und 
Wagner CS. 401J, ferner der wackere Franz Lerse, den Goethe im ,,GöHtt verewigt 
hat; endlich auch JungsStilliug, wol der geistig bedeutendste der Gesellschaft, für 
den sich Goethe von Anfang an interefsirte und dem er bei allen Gelegenheiten Liebe zu 
erweisen bestrebt war. 
Johann Heinrich Jung, aus einem altbäurisch ehrbaren und streng frommen 
Geschlechte, 1740 zu Grund im Nassauischen geboren, hatte sich vom Schneidergesellen und 
Landfchullehrer zum Studenten der Medicin hinaufgearbeitet, als welchen ihn Goethe kennen 
lernte. Seine Jugendgefchichte, in welcher er seine Glaubenserfahrungen sshIiCk1tUI1d 
ungefchminkt erzählte, beförderte Goethe zum Druck. Sie gilt noch heute mit Recht als 
ein ächtes Volksbuch; ihr reihen sich die ,,Jünglingsjahreti und die ,,Wanderschaftit 
würdig an, während seine Romane, die zu ihrer Zeit großes Aufsehen erregten, jeht 
vergessen und zum Theil kaum noch lesbar sind, und auch die Fortfehungen seiner Lebens: 
gefchichte der ,,Jugendtl nicht gleichkommen. Durch feine glücklichen Operationen des 
grauen Staares wurde JungsStilling später sehr berühmt. 1817 starb er in Carlsruhe 
als Geheituer Hofrath. 
Den wichtigsten und für Goethe bedeutsamsten Zuwachs erhielt aber die Salz: 
mannfche Tischrunde durch Herder, der im Herbste 1771 eines Augenübels willen in 
Straßburg sS. 394J sich längere Zeit aushielt. Durch ihn lernte Goethe den Officin 
kennen, aus dem er einiges überseHte, was er nachher in vcränderter Gestalt dem 
,,Wertherit einverleibte; durch ihn wurde er erst für die tiefe PD2fk8 der Bibel, für Homer
        

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