Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-510342
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neuhochdeutschen Dichtung. 
G9fkhichte der 
Lafontai 
Weiße. 
Dmnen. 
Kinder f:eus 
Jfflcmb. 
als treues Kulturbild für das kleinbiirgerliche Leben des vorigen Jahrhunderts zumal in: 
tereffant. 
Viel gelesener, ja von dem Durchschnittspublilum sogar Goethe vorgezogen, war der 
unglaublich fruchtbare Romanfabrikant August Lasontainc  der gegen 150 
Biinde Erzählungen und RoInane zufannnengeschrieben hat. Ein gebotener Braunschweiger, 
hatte er in Helmstedt Theologie studiert, machte als Feldprediger den Feldzug von 1792 gegen 
die Franzosen mit und lebte danach in Halle a. S. Man hat ihn den ,,Schöpfer des 
weinerlichenFamilienromansU genannt, und wie er selbst, so wurden seine Leser und 
Leserinnen durch seine Darstellungen zu endlosen Thränen gerührt; die Königin Linse ge: 
hörte zu seinen größten Verehrerinnen. Unter seinen Werken, die allmählich immer mehr 
einander ähnelten, ist ,,d as Leben eines armen LandpredigersSH noch das lesbarste. 
Aus dem Leipziger Freundeskreise Lessings muß besonders Weiße hervori 
gehoben werden, der thätigste Schauspieldichter der Gottschedischen Zeit, über die 
er durch niuthigen Kampf wider den Leipziger Diktator hinausstrebte. 
ChriftianFelix Weiße, geb. 1726 zu Annaberg, kam gleichzeitig mit Lessing auf 
die Leipziger Universität, und zog, wie jener, das Theater der Theologie vor. Gemeinsam 
übersetziten sie Stücke aus dem Franzöfifchen und schritten dann zu eigenen Arbeiten. Als 
Hosmeister kam er später nach Paris, wo er Geschmack an der komischen Oper gewann, die 
er zu Gottscheds Aerger in Leipzig einbürgerte. Seit 1761 Obersteuersetretär zu Leipzig hatte 
er Muße genug, für das Theater zu dichten, was er mit unglaublicher Leichtigkeit und Frucht: 
barkeit Witten unter feinen Beruf6gefchäften schrieb er eine Tragödie binnen vierzehn TagenJ 
bis an seinen Tod c1804J fortfetzte. Obgleich Weiße sich zu Shakefpeareschen Stoffen hinge: 
zogen fühlte und mehrere davon behandelte, blieb er doch immer unter dem Einflufse des 
französischen Theaters, und sein ,,Richard1IIU, sein ,,Romeo und Juliatt sind phrasenhaft 
gespreizte Stücke, die an den großen englischen Dichter. nur durch den Titel erinnern. Jm 
Lustspiel, das er gewandt und drollig, wenn auch keineswegs sehr geiftreich zu behandeln 
wußte, leistete er Bedeutenderes. Das Singspiel: ,,Die verwand elten Weib erst erregte 
Gottscheds Zorn so sehr, daß er in Dresden einen kläglich mis3lungenen Versuch anstrengte, 
die Ausführung zu verbieten, wodurch das Stück natürlich erst recht zur Geltung kam. Jn 
der Komödie: ,,Die Poeten nachsder Modets macht Weiße den Streit der Leipziger und 
Schweizer CS. 296 sf.I lächerlich.  Neben feinen dramatischen Arbeiten gab Weiße noch 
 Jahrelang den ,,KinderfreundU heraus, der trotz seiner ledernen Lehrhaftigkeit in Prosa 
und Poesie der damaligen Zeit sehr zusagte. Obgleich Lessing seinen alten Leipziger Freund 
in der ,,DramaturgieU scharf tadelte, auch nicht ohne Einfluß auf seine Dichtung war, konnte 
er ihn doch nicht verbessern. Auch sein an ihn gerichteter Wunsch: ,,Wenn ich Ihnen die 
Arbeit nur immer recht schwer machen könnte, so würden Sie ein Schriftsteller werdenU  
blieb ein frommer Wunsch, und Weiße hat nicht ein einziges Drama geschrieben, das noch 
heute auffiihrbar wäre. 
An Weiße reiht sich hier noch am geschicktesten ein anderer Dramatiker an, 
der ,,zwar im Sinne Lessings, aber ohne dessen schöpferischen Geists, dichtete, 
Jffland, dessen Stücke zwei Menschenalter das Publikum angezogen und gefesselt, 
ja von denen einzelne noch heute, etwas gekürzt und gut dargestellt, ihre An: 
ziehungskraft nicht ganz verloren haben. 
August Wilh elm Jsfla nd  geboren zu .Dannover, fühlte von Jugend 
auf Luft zur Schauspielkunst und verließ, um ihr sein Leben zu widn1en, heimlich das Eltern: 
haust, zeichnete sich bald auf der Bühne zu Gotha aus, ging dann nach Mannheim, wo er 
auch für das Theater zu dichten begann. Nach manchen Wanderungen wurde er 1796 zum 
Direktor des königl. Preuss. Nationaltheaterö, später zum Generaldirektor der königlichen
        

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