Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-509921
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Geschichte der neuhochdeutfchen Dichtung. 
der sich in Göttingen selbst am frühesten an Bote angeschlossen und ihm bereits 
für 1771 einen Beitrag zum Almanach geliefert hatte, obgleich er sonst dem Bunde 
nur äußerlich angehörte.   
Gottfried August Bürger wurde in der Syloesternacht 1747 zu Molmerswende 
im Mansfeldischen geboren, wo sein Vater Prediger war. Schon als Knabe zeigte er Aus 
lage zum Dichten, aber sonst nicht große Be: 
   gabung und noch weniger Stetigkeit im Lernen. 
 :7sHJjl Z Nach dem frühen Tode des Vaters nahm der 
  Großvater sich seiner an; höchst bedanerlicher: 
  T   weise nöthigte dieser aber den Enkel, wider feine 
     s,    Neigung in Halle Theologie zu studieren. Statt 
     an die Theologen schloß sich Bürger jedoch an 
;    die Philologen, besonders an den etwas lockern, 
;        iibel berüchtigten Klotz an, der einen schlimmen 
    Einfluß auf ihn übte und ihn in sein wüstes 
       H  ausschw.eifcnde6 Leben mit hineinriß. Höchstent: 
 ; I:   rüstet rief ihn der Großvater zurück, gestattete 
ji      ihm aber einen Studienwechsel; in Göttingen 
is       sollte er zu der ,Jurisprudenz übergehen. Nicht 
;    ; :s.s lange indes dauerte es, so. war der erste Eifer 
  z    J dafür auch vorüber, und die alte Lust zu lockes 
    H se ;   rein Leben gewann die Oberhand, bald trieb er 
,   J es so arg, daß der erzürnte Großvater gänzlich 
s,        die Hand von ihm abzog und den Verirrten 
     sich selbst überließ. Nun nahmen sich einige 
.s  H   wackere Freunde seiner an, vor allem Boie, 
     weldser Bürgers großes Talent erkannte und sein 
 Möglichstes that, dasselbe zu fördern und den 
Abo.s1.Got:fkied Augus:Vükger. Nach jungen Dichter in geordnete Pfade zurückzui 
einem Bildnis VI Js 1798s lenken. Der allzeit bereite Gleim sandte Geld; 
Bote nahm in den zweiten Jahrgang des Musenalmanachs Bürgers Lied: ,,Herr Bachus 
ist ein braver Manns, auf; und dadurch ermuthigt wurde Bürger auch wieder zu 
crnsteren Studien angeregt. Mit seinen Freunden studierte er Shakespeare und die kurz 
zuvor von Pera; herausgegebenen alten englischen Volkslieder CRe1iques of a11eient 
English poetryI, aus denen er später so viel für seine eigenen Balladen schöpfte. 1772 
erhielt er durch Boies Freundschaftseifer eine Stelle als Amtmann in Altengleichen, 
unsern von Göttingen, von wo aus er dann auch den befreundeten Dichterbund oft be: 
suchte. Nun kam auch eine Versöhnung mit dem Großvater zu Stande; leider gingen 
aber die Gelder, die derselbe zum Antritt des von dem Enkel übernommenen Amtes 
hergab, großentheils data; die Unredlichkeit eines Dritten verloren, wodurch die häus: 
lichen Umstände Bürgers von Anfang an litten. Vielssc;limmer aber waren die Folgen 
seiner Verheirathung im Herbst 1774 mit der ältesten Tochter des Justizamtmanns Niedeck. 
Wie er selbst erzählt, liebte er schon deren jüngere Schwester Mollh, als er den Ehe: 
bund schloß, und diese Leidenschaft wurde mit den Jahren immer ungestümer, und da 
Molly in demselben Maasse seine Liebe erwiderte, entstand ein jeder Sitte hohnsprechen: 
des Verhältnis, das alle drei Betheiligte auf das tiefste unglücklich machte. Aeus3erer Druck 
kam dazu, der durch den Tod des Schwiegervaters nur vorübergehend gehoben wurde. 
Endlich wurde er noch auf verleumderifche Weise angeklagt, sein Amt gewissenlosZ vernach: 
 liissigt zu haben; allerdings sprach man ihn in der angeordneien Untersuchung frei, aber 
er fühlte sich doch so gekränkt, daß er glaubte, abdanken zu müssen. So ging er denn nach
        

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