Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-509578
Das 
XvIIl. Jahrhundert. 
Vorboten einer neuen Blütezeit. 
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eine ganz neue Wissenschaft, die Aesthetik ins Leben, die man die Lehre vom 
Schönen nennen kann. Nach seinem Fortgange von Halle machte einer seiner 
Schüler, G. F. Meter, diese bisher n11r lateinisch vorgetragene Lehre durch IN; 
deutsche.Bearbeitung größeren, Kreisen zugänglich, brachte sie auch in ein näheres 
Verhältnis zur deutschen Dichtung und trat mit einigen jüngeren Dichtern in eine 
enge Verbindung, woraus eine neue Dichterschule erwuchs, die  bald von 
Gottsched abgefallen  sich zuerst an die Schweizer, dann insbesondere an die 
Hagedornsche Lebensauffassung nnd Dichtungsweise anschloß. Dieser Hallefche 
Dichtetverein oder, wie er auch genannt wird: Die preußische Dichterschule 
Tini Gegensatz zur sächsischen, und weil der auf Friedrich den Großen sich coni 
centrirende preußische Patriotismus bald das Bindeglied für viele von ihnen 
wardJ wurde durch drei junge Männer begründet, die wir ebenfalls zu den Vers 
boten der neuen Blütezeit rechnen müssen. Es waren Gleim, Götz und Uz, 
die 1739 in Halle studierten, ein enges Freundschaftsbündnis schlossen und 
gemeinsam nach Anakreons, des griechischen Sängers des Weins und der Liebe 
Vorbilde dichteten, und denen sich dann später andere anschlossen. Nach Anai ZZs;JFiW 
kreon, der um 530 am Hofe des Tyrannen Polykrates von Samos lebte, nennt 
man seine Nachahmer auch ,,Anakrcontikcr.H Sie befangen den frohen, täns 
delnden Lebensgenuß, das Trinken und Küssen, unter dem Schutze griechischer 
und römischer Gottheiten: Cupidos, Amors, des Bacchus und der Venus und zu 
Ehren ihrer Schönen, welche abwechselnd ,,Delia, Chloe, LesliaU oder ähnlich 
heißen. Obgleich dieser poetischen Spielerei der Name der ,,anakreontischen 
Poesie der GrazienU beigelegt worden, war doch weder von Poesie noch von 
Grazie viel darin zu spüren. Dennoch dauerte sie bis in die sechziger Jahre 
des XVII1. Jahrhunderts fort, ja Glei1n ließ sich noch als würdiger Kanonikus 
in Schlafrock und Pantoffeln von seinen ,,griechischen Schäi;3chen,U d. h. den Musen 
die ,,Nektarschale füllcnU und das ergraute Haar ,,mit Rosen schmücken;H und mit 
den Freunden fand kein brieslicher Austausch statt ohne Liebesliedchen und 
Freundschaftskiisse, ja förmliche Liebeserklärungen. Doch auch Besseres ging aus 
diesem Kreise hervor, und trotz aller anakreontischen Tändeleien haben sich diese 
Männer  ,,Vatcr GleimH an der Spitze  gewisse Verdienste um die deutg 
sehe Literatur erworben. 
Joh. Wilh. Lud1v. Gleim wurde 1719 zu Ermsleben in der Nähe von Halberstadt Fisches 
 geboren, kam vom Gymnasiu1n zu Wernigerode auf die Universität Halle, um die Rechte zu Mem 
studieren, wo der vorhin erwähnte Aesthetiker Vaumgarten einen großen Einfluß auf ihn 
hatte und sein Dichtertalent 1veckte. Nach vollendetem Studium bekleidete er verschiedene 
Stellen als Hanslehrer und Sekrettir Cso 1745 bei dem Fürsten Leopöld von DefsauJ, dann 
als Domsekretär in Halberstadt; endlich wurde ihm ein Kanonikat an dem nicht weit von 
Halberstadt gelegenen Stifte Walbeck verliehen, worin er 45 Jahre blieb, während welcher 
langen Zeit er sein reichliches Einkommen beniiizte, Gutes zu thun und besonders unbe: 
mitteilte strebsame Talente zu unterstützen. Klopstock besingt in einer Ode an Glei1n dessen 
,,brennenden Durst, Freunden ein Freund zu sein,U nnd Goethe sagt von dem gutherzigen 
Kanonikus: ,,Ein solches Fördernis junger Leute im literarischen Thun und Treiben, eine 
Lust, hosfnungsvolle, vom Glück nicht begünstigte Menschen vorwärts zu bringen und ihnen 
den Weg zu erleichtern, hat diesen deutschen Mann verherrlicht.   Er hätte ebensowohl
        

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