Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-509213
Das 
30jiihrigen Krieges und 
Zeitalter des 
XIV. 
Ludwigs 
283 
Unter den zweiundsechszig, die in dieser Sammlung aufgeführt werden, vers 
dienen hier nur zwei eine kurze Erwähnung; Christian Warnecke Lober Werg 
uicke, wie er niedersächsisch ausgesprochen und oft geschrieben wurdeJ und Heini 
rieb Brockes. Zwei andere: DrolIinger und Hagedorn, gehören dem nächsten 
Zeitraum an. 
Von Christian WernickeB Lebensumständen ist wenig mehr bekannt, als daß er 
nach längeren Reisen im Auslande in Hamburg mehrere Jahre prioatisirte, dann als Staats: 
rath in dänische Dienste trat und als dänischer Resident in Paris nach 1710 starb. Er trat 
in einer Sammlung von Epigrammen CPoetiscl;e Versuche in UeberschtistenI, die nächst denen 
Logaus3 die besten dieser Zeit sind, gegen Hoffmannswaldau wie gegen Christian Weise 
aus. Hier ein paar Proben:  
Christian 
Wecnicce. 
Blumenreiche Gedichte. 
Man findIt, wenn man mit Fleiß die Rosen und Narzissen, 
Die unsere deutschen Vers7 anfü1len oder schließen, 
Mit dem Verstand des Dichters überlegt: 
Daß ein unfruchtbar Land die meisten Blumen trägt. 
 Ueber gewisse Gebichte. 
Der Abfchnitt2 gut. Der Ver62 fließt wohl. Der Reim2 geschickt 
Die Worts in Ordnung. Nichts als der Verstand verrückt. 
Auf Astolph, den hochtrabenden Poeten. 
Astolph beschreibt ein Thier, dass in den Wäldern wohnet 
Und in der hohlen Eichl, als seinem Neste lebet, 
Das um unwegsaml Gebirge brummend schwebet, 
Und oft auch nicht des Blutls des 111jide1i Pilgrims schonet; 
Merk aber, wie er dich durch falsche Pracht betrüge, 
Du denkst, es sei ein Löw., und es ist eine Fliege. 
Die Angegrissenen wurden durah zwei Hamburger gerächt. Einer derselben, ein ge: 
wisser Postel, verglich den bissigen Epigrammendichter mit einem Hasen, der auf dem todten 
Löwen CLohensteinJ herumspringe. Nun schrieb Wernicke ein komisches Heldengedicht: ,,Hctw5 
Sachs3E, ein schwaches Machwcrk, in welchem der alte treffliche Nürnberger Meistersinger, 
den dazumal niemand mehr kannte, unverständigerweise als der Vertreter aller seichten 
Reincsch1niede dargestellt wird, der den Stelpo CPostelI zu seinem Nachfolger erwählt habe. 
Postel war klug genug, zu schweigen, aber ein Freund von ihm, Namens .Lnmold, über: 
nahm die Erwiderung und führte sie sehr grob und wik.los ans in einer Komödie: ,,Der 
thörichte Pritschmeister oder der schwermende PoeteU, worin Wernirke als ,,Wec1narrU ver: 
spottet wurde. Der unerquiikliche Federstreit, der noch.längere Zeit fortdauerte, hatte doch 
das Gute, dem bisher unerschütterlichen Glauben an die Herrlichkeit der Hoffmannswaldaus 
Lohensteinischen Poesie einen gründlichen Stoß zu geben. Selbst Hunold wandte sich später 
gegen seinen einstigen Helden und trat mit aller Entschiedenheit wider die unsittliche nnd 
unsaubere AusZschweifung jener Schule auf. 
Einen bedeutendcren Platz unter den Niedersachsen nahm Barthold Heinrich 
Brodes ein, der auf dem von Christian Weise angebahnten Wege, aber in ges 
müthvolle1:er, wenn auch pedantischer Weise, vorwärts schritt. 
Broekes, 1680 in Hamburg geboren, hatte in Halle die Rechte studiert und war nach 
mehrjährigen Reisen, auf denen er sich eine vielseitige Bildung erworben, als Rathsherr in 
den Senat feiner Vaterstadt aufgenommen worden, wobei er Muße behielt, den von ihm 
Brodes.
        

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