Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-507745
Die 
Blütezeit, 
1190s 
s1300. 
171 
selbst einmal. Daraus erklärt es sich, daß viele seiner Minnelieder, wie 1lhland bemerkt, 
,,an einer gewissen Trockenheit leiden und daß das Selbstbewußtsein, die Ueberlegung in 
manchen vorherrschen.U Früh wurde ihm der Kreis des Minnegesanges zu enge, er fühlte das 
Bedürfnis einer umfassenderen Weltanschauung, und durcJ die Stürme, die gegen das Ende 
des XlI. Jahrhunderts über das Reich hereinbrachen, gedrängt, richtete er das Lied auf die 
wichtigsten Angelegenheiten des Vaterlandes und der Kirche. Zuletzt sagte er sich feierlich 
von der Min11e los; sein Minnegesang möge nun anderen dienen und ihre Huld werde dafür 
sein Theil. Er segnet sich, daß er auf der Welt so manche froh gemacht, Mann und Weib. 
Und von der vergänglichen Minne, die nichts weiter ist, als ,,vom Fische der Grat,U 
wendet er sich jeHt zu der steten, ewigen Minne. 
Im J. 1198 starb Walthers sürstlicher Gönner in Palästina, und in demselben Jahre 
trat auch ein verhängnisvoller Wendepunlt unserer Geschichte ein: Der Beginn der lang: 
wierigen bösen Kämpfe der Gegenkönige. Da ergriff der Dichter den Wanderstab und ging 
von Wien, wo seines Bleibens doch nicht mehr war, nach Mainz, wo die Krönung Philipps 
von Schwaden so eben vor sich gehen sollte. Denn für ihn, des Rothbarts jüngsten 
schönen liebenswürdigen Sohn, hatte Walther sich sofort entschieden, und an ihm hat er bis 
an seinen gewaltsamen Tod C1208J mit unerschütterlicher Treue festgehalten. Der verderb: 
liche Wahlstreit brachte denn auch einen Wendepunkt.in Walthers Poesie  gleich im Bei 
ginn desselben entstand wol jenes für den Dichter so charakteristische Lied: 
Ich saß aus einem Steine 
und deckte Bein mit Beine, 
darauf seHt7 ich den Ellenbogen; 
es schmiegte sich in meine Hand 
das Kinn und. eine Wange. 
Da dacht, ich sorglich lange, 
wie man zur Welt hier sollte leben; 
doch keinen Rath konnt7 ich mir geben, 
wie man drei Ding7 erwürbe,  
der keines nicht verdiirbe: 
die zwei sind Ehr7 und fahrend CzcitlichJ Gut, 
das oft einander Schaden thut, 
das dritte ist Gottes Hulde, 
der zweien Uebergulde Cdie beide übertrifstJ; 
die hätte ich gern in Einem Schrein. 
Ja leider, das kann nimmer sein, 
daß Gut nnd weltlich Ehre 
und Gottes Huld je mehre CjcmalsJ 
zusammen in ein Herze kommen.  
Steigl und Wege sind ihnen benommen. 
Untreu ist in der Säße CHinterhaltJ, 
Gewalt fährt ans der Straße, 
Friede und Recht sind todeswnnd, 
die dreie haben kein Geleit, die zwei 
denn werden erst gesund. 
Ich hört ein Wasser dießen CtosenI 
und sah die Fische fließen Cfch1vimmcnJ, 
ich fah, was in der Welt nur was CwarJ 
Wald, Feld, Laub, Rohr und Gras.
        

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