Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-507720
Blütezeit, 
Die 
1190s 
s1300. 
169 
Ausbildung gebracht. Darum nannte ihn Gottfried die .,1eitekrouwe0 CAnsührerinJ des 
Nachtigallenheeres, und zahlreich sind seine sNachahmer. Sein Stil ist schmucklos, seine 
Formen ernst und streng, seine Lieder fast blumenlos, aber innig und herzlich: ,,Sic ist 
mein osterlicher Tag und hab7 Sie in meinem Herzen lieb, das weiß Er wohl, dem ich nicht 
liigen mag,7l singt er von der Geliebten. Jnsbesondcre hat er die Botenlied er Engl. S. 163; 
zuerst mit großem Glück bearbeitet nnd es verstanden, durch den darin herrschenden Ge: 
spriichston die Eintönigkeit des Minnegedankens angenehm zu beleben. Auch manches 
Kreuzlied hat er gesungen, in dem er den Streit seiner frommen Gedanken mit den Liebes: 
gedanken hervorhebt: 
Des Tages, da ich das Kreuze nahm, 
da behütete ich meine Gedanken, 
wie dem Zeichen ziemte, das ich trug, 
und als ein rechter Pilgrim; 
da glaubte ich sie bei Gott so state, 
daß nimmer mein Fuß aus seinem Dienste träte. 
Nun wollen sie aber ihren eigenen Willen haben 
und so ungebunden fahren, wie früher. 
Diese Sorge ist wol nicht blos mein, 
sie thut auch andern Leuten weh. 
Als Reimnar starb, reichten die Zeitgenossen den dichterischen Ehrenkranz 
einem Sänger, dessen Namen seitdem durch alle Jahrhunderte bis ans unsere Tage 
als der herrlichste geleuchtet hat, dem edlen 
VOI1 
IVa1theks 
vogclwejde. 
des 
Gottfried von Straßburg erklärt ihn in seinem ,,TriftanH als den Würdigsteu, 
Anführer und Banncrträger der Sängerschar zu fein; und je besfer wir durch 
den Forscherfleiß unserer Gelehrten und die Ueberse5ungskunst unserer Dichter 
ihn verstehen lernen, je näher tritt er auch uns und je mehr stimmen wir dem 
zeitgeni5ssischen Urteile bei. 
Im Tiroler Lande, oberhalb der Brennerstation Waidbruck, unweit Bozen, liegen Fi;LIIFcts3 
eng bei einander zwei Höfe, die noch heute die Vogelweide Cahd.: fogi1weid:i., ein Ort, L  
wo Vögel entweder gehegt wurden oder sich zu versammeln pslegtenJ heißen. Dort stand 
 nac1 Prof. Zingerles scharsfinniger, von anderen Forschern aber ganz znrückgewiesener 
Vermuthnng  die Wiege Walthers, der, um 1170 geboren, dein niederen Adel angehörte; 
dort wuchs der Knabe auf in stiller, nur vom Vogelsang belebter Waldeinsa1nkeit, dort mochte 
die Lust zum Gesange zuerst in seinem kindlichen Herzen erwachen. Die Dürftigkeit seines 
Elternhanses trieb ihn wol schon früh ans dem heimatlichen Thal hinaus in die Welt. 
Etwa zwanzig Jahre alt mochte er sein, als er nach Oesterreich kam, um dort ,,singen nnd 
sagen zu lemen,4t denn sein ganzer Reichtum war sein ,,LiedU und daraus mußte er ein Gewerbe 
machen, um leben zu können. So gelangte er an den glänzenden Hof Friedrichs I 
zu Wien, das damals als die erste Stadt des deutschen Reiches galt; dort erhielt er eine rittcrs 
Iikhe Erziehung nnd in Reinmar dein Alten einen Meister, wie er ihn nicht vortrefflicher sich 
hätte wünfGen können. Rasch entwickelte sich seine Dichtergabe. Frühlings: und Liebeslieder, 
Wechselgespräche und Reihen, Walthers schönste und frischeste Dicht1n1gen entstanden in diesen 
glücklichen Wiener Jahren und fanden rasch in der Nähe und in der Ferne Anerkennung.
        

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