Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-507669
Blütczeit, 
Die 
1190s 
s1300. 
165 
daß so viele Lieder nnd Leiche, von manchen Dichtern sämtliche, verloren gegangen 
sind. Der Leselust vornehmer Frauen, welche die Lieder ihrer Dichter, auf lange 
breite Pergamentstreifen geschrieben, sorglich zu Gedichtbüchlein zusammen: 
hefteten, verdanken wir zu allermeist und allererst die Erhaltung zahlreicher Lieder; 
dazu kamen die Aufzeichnungen fahrender Spielleute, die das Bedürfnis fühlen 
mochten, ihrem Gedächtnis so zu Hilfe zu kommen. Zu größerer Bequemlichkeit 
befestigten sie die Pergamentstreifeu an einem Stabe, um den sie dieselben rollten. 
Die umfangreichste und bedeutendste Sammlung dieser Art, die berühmte 
PC1kiser 
Liederhandschrift, 
von Bodmcr irrtümlich die ,,Manessische SantmlnngU genannt nach 
Rüdiger Manesse, einem Ritter und Rathsherrn zu Zürich, der in Gemein: 
schaft mit seinem ältesten Sohne gleichen Namens sich es allerdings angelegen 
sein ließ, zu Anfang des XlV. Jahrhunderts den zur Neige gehenden Minnesang 
durch eine Sammlung von Liederbüchern der Vergessenheit zu entreißen. 
Einer der letzten Sänger, Johann Hadlaub, berichtet davon in einem Liede, 
das er zu Manessens Ehren gedichtet; da heißt es: 
Wo fände man beisammen so manig Lied9 Man fände der nicht in dem König: 
reiche, so viel in Zürich zu Buche steht; drum singet man oft da Meistersang. Der 
Manesse rang danach so lange, daß er das Liederbuch nun hat. Gegen seinen Hof möchten 
sich neigen die Sänger, sein Lob hier anstimmen und anderswo, denn Sang hat Baum 
und Wurzel da.    
Aber daß die Manessen mit Hilfe ihrer Liederbücher die große Pariser Hand: Hs;I13;eta, 
schrist hätten anfertigen lassen, ist durchaus unerwiesen und schon darum unrichtig, :icssiic1scJk 
weil dieselbe mehr als einen Dichter enthält, der jiiuger ist als die Ziircher Lieder: FZkIiiiT. 
freunde. Ueber 130 Sängernamen sind uns in dieser mit großem Fleiß ausgeführten 
Handschrift aufbewahrt; voran: Kaiser, Könige, Fürsten und Grafen, dann die 
alten Meister und ihre ritterlichen Jiinger, unter ihnen auch ein Jude: Süß: 
kind von Trimberg, der von Ritterburg zu Ritterbnrg, von Hof zu Hof zog, 
bis ihm die Kunst als eine ,,brotloseU verleidet ward. Prächtig ist auch dieses 
merkwürdige Liederbuch ausgestattet; es ist ein Band in mittlerem Folio mit 
429 Blättern von starkem schönen Pergament, auf die in schöner deutlicher Schrift 
die Lieder verzeichnet stehen. Die Ausangsbuchstaben der Strophen sind in bunten. 
Farben gemalt, den meisten Säugern ist, ihr Bildnis vorangestellt, das immer 
eine ganze Seite einnimmt und noch jetzt in Gold und frischen Farben prangt. 
Und nicht nur Porträts sind es, sondern jeder Sänger erscheint in einer für ihn 
charakteristischen Stellung oder Handlung, dazu ihr Heln1 und Schild in wappen: 
kundiger Zeichnung, allen voran Kaiser Heinrich VI Cis 1197J im Purpur: 
mantel mit Scepter und Krone, und Konradin, der legte Hohenstaufe, der 
jugendlich sein Roß ansprengt, mit zwei bellenden Hunden, die Hand nach dem 
Falken aufgehoben, der in der Verfolgung eines kleinen Vogels sich empor: 
schwingt.  Lange war diese reiche Sammlung in der Schweiz geblieben, im Jahre
        

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