Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Deutsche Literaturgeschichte
Person:
König, Robert
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-505194
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-507149
Bliitezeit, 
Die 
1190i 
s1300. 
113 
der Sinkenden nach, ergreift ihre blonden Zöpfe und zieht sie daran zur Höhe, drum legt 
er sie mit zärtlicher Sorge in eine Barke. So fahren sie zu Lande.  Boten benachrichtige1c 
die Königin Gerlind nnd ihre Tochter Ortrun von der Ankunft der Helden und der 
Maid von Hegelingen; Mutter und Tochter eilen mit ihrem Jngesind den Kommenden ent: 
gegen. Gudrnn erwidert den Kuß Ortruns, weist aber Hartmuts Mutter, die das Gleiche 
thun will, mit strengen Worten zurück.s Weiß sie doch, daß von der alten Königin alles 
bisherige Unheil stanunti Und sie ahnt, daß ihr noch Schlimmeres bevorstehe. Sie täuscht 
sichs nicht, denn als Gudrnn an Herwig festhält und sich beharrlich von dem abwendet, dessen 
Vater den ihrigen erschlagen, verspricht Gerlind dem erfolglosen Liebhaber, der Jungfrau 
Hoffart zu brechen, während er auf neue Heerfahrten auszieht. Der junge König willigt 
ein, empfiehlt aber vor feiner Abfahrt noch der Mutter, ,,die arme Heimeitlose doch ja in 
aller Güte zu lehren.U Gerlind versucht es auch zuerst in Güte, da aber Gudrun fest bleibt, 
ruft sie ihr wild zu: 
willst 
,1lnd 
nicht die 
werde 
Freude, 
das 
Dir 
Leids 
Die grausame Frau 1nacht das Wort zur vollen Wahrheit. Alle ihre Gefiihrtinnen, die 
hochgeborenen Jungfrauen werden von Gudrun getrennt und 1uüssensGarn winden und 
spinnen  sie selbst, die Königstochter, muß schmachvolle Magddienste thun, den Ofen heizen, 
mit ihren Haaren den Staub abkehren und die Zimmer reinigen. Ihr Lager ist eine harte 
Bank; ihre Nahrung Rogget1brot und Wasser, ja sie wird von Gerlind geschlagen. Vergeblich 
ist Hartmuts bald freundlich überredende, bald hart drohende Zusprache gegen Gudrun, ver: 
geblich Ortruus schwesterlich liebevolIe Bemühung bei der liebgewonnenen Fremden. Hartmut, 
der zuerst der Mutter wegen ihrer grausamen Behandlung Gudruns gezürnt und ihr 
wiederholt den Weg der Güte empfohlen hat, verliert nun auch die Geduld und überläßt 
die 1Iuglückliche gänzlich ihrer Quälerin, die zornig ausruft: 
,,So will ich, daß die Dirne mir diene fort und fort; 
meint sie so fest zu bleiben in ihrem Widerstreben, 
so muß sie eben stöhnen, nnd keine Ruhe soll es für sie 
geben 
Fortan muß Gudrnn der Königin Gewande an den Strand tragen nnd sie bei Wind nnd 
Wetter, in Schnee und Kälte dort waschen. Die edle Fürstentochter Hildebnrg erlangt es 
durch ihre Bitten, daß sie an der schweren Arbeit theilnehmen darf. Sechftehalb Jahre 
müssen sie so für Gerlind und den ganzen Hoshalt waschen. Aber fest und unersihüttert 
bleibt Gudruns treues Herz. 
Dreizehn Jahre sind seit Gudruns Entführung verflossen, aus Knaben sind Männer 
geworden im Hegelingenlande, da beginnt Frau Hilde ein Heer zu rüsten wider die Not: 
ma11nen. Eine starke Flotte wird auf ihren Befehl gebaut, Freunde nnd Mannen werden 
zum Rachezuge aufgeboten, auch König Herwig eingeladen, daran theil zu nehmen. Alle 
kommen sie herbei: Horant, Frute, Wate, Herwig, auch Ortwin, Gudruns Bruder; 
Man sah von allen Enden einreite11 in das Land 
die Helden all, zu .sdenen die Königin gesandt; 
es mahnte sie die Ehre zum Dienste der Frau Hilden, 
wol sechszigtauscnd zogen herein zur Königsburg mit Speer 
und 
Schilden. 
Unter Hotarus, des Helden von Däne11land, Führung segeln sie 
mischer Fahrt die Küste der Normandie. Unbe1nerkt landen sie 
ein Wald sich ausdehnt. 
ab nnd erreichen 
bei einem Berge, 
nach stür: 
vor dem 
tief zu des Meeres Grunde, 
in Sicherheit vor jedes Spähers Kunde. 
O 8 
Die Anker schosseu nieder 
sie lagen in der Wildnis, 
Ko enig, Litcraturgesc1;ichtc.
        

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