Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-500055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-501044
England. 
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ils LustspieleJ, wandte er sich zum Roman und schrieb den Joseph 
Andrewsc und die Gaunergeschichte :;Jonathan Wi1dcc, welche dem alt: 
hergebrachtcn Geschmacke der Engländer an Freibeuterhistorien sehr zusagen 
mußte. Sein Hauptwerks ist aber der dsT0m J0nes or hist0ry of a f0unds 
1ings:, 1749 Cdeutsch von Bode, von Lüdemann, von DiezmannJ, ein Roman, 
der noch jeht nicht ungern gelesen wird und dieser andauernden Gunst der 
Lesewelt würdig ist wegen seiner trefflichen Sittenmalerei und Charakteristik, 
welche durch passend angebrachten Witz und harmlosen Spott noch mehr 
gehoben wird. Fieldings legte Arbeit, pAme1iac, ist schwach. Die realistische 
Manier dieses Autors erscheint gesteigert und vervolIkommt in den Romanen 
von Tobias Smollet  dessen john:bullistischer Humor viel: 
fach an Swift erinnert, besonders wenn er in seinem Muthwillen die engen 
Schranken des Anstandes keck überspringt oder sich von seiner toryistischen 
Parteiansicht zur satirischen Bitterkeit sortreis3en lässt. Von seinen Romanen 
erschien ::R0derjk Rand0me 1748, :oPeregrine Pick1ecc 1751, vThe ads 
ventures of Ferdinand,Fathomcc 1758, vThe aciveniures of sir Launs 
ce1oi Gsreavescc 1760, :2The expedition of Humphrey C1inkere 1771. 
Köstlich sind besonders der Peregrine .Pickle, dessen drastische Komik selbst 
einen Sterbenden zum Lachen bringen könnte, und Humphrey Clinker, der 
vor jenem den Vortheil künstlerischer Vollendung voraus hat. Smollet hat 
UUOh eine politische Satire CoThe adventures of an at0mc:J und eine ge: 
fchätzte :;History of Englands: C1750J geschrieben. Dem humoristischen 
Realismus Smollets steht Lawrence Sterne  gegenüber mit 
seinem idealistischen Humor. Nicht die Komik der Thatsakhen, sondern die 
hUmoristische Reflexion darüber ist seine wesentliche Eigenschaft. Die ganze 
Welt und Menschheit mit allen ihren Schwächen, Thorheiten und Schmerzen 
widerspiegelt sich bei ihm in dem Fokus eines liebevollen Gemüthes, welches 
dem satirischen Lächeln stets die sentimentale  CSterne hat dieses Wort 
VFcht eigentlich geschaffenJ  Thräne gesellt. So trat er, nachdem er früher 
eMkges Unbedeutendere geschrieben, als klassischer Humorist auf in seinem 
sdTristram Shandyc C1759J und in seiner anmuthsvollen pSentimenta1 
j0urney through France and Italyec C1767J, welches letztere Buch der 
ssEmpfindsamkeitH den höchsten Triumph bereitet und die Stimmung seines 
Autors für eine Zeit lang zur Stimmung der gebildeten Kreise Europas 
gemacht hat. Der Tristram Shandy Cdeutsch von GelbckeJ kann als Roman 
freilich solchen, welche in Romanen das Stoffliche, sowie Fülle und Wechsel 
der Scenen und Abenteuer lieben, nicht sehr gefallen. Die Handlung ist 
gleich Null und ein großer Theil des Buches verläuft mit der Erzeugungs: 
UND Geburtsgeschichte des Helden O. Wer aber daran seine Lust hat, mit: 
g dieser Geschichte und sonst auch ist der gute Sk8Me, MS Alle 
kJumoristifchen Naturen, das, was die Prüden indecent nennen. Freilich weiß er oft gerade 
Seh er:,.uug. Gesetz. v. Literatur. 11. s. Aus: 5
        

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