Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-500055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-503999
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Buch 
lll. 
Kaps 
späterer Zeit stammende Lieder von Atliis Verrath an seinen Schwägern 
Gunnar und Högni und der von ihrer Schwester Gudrun an ersterem ge: 
übten RacheJ, pHamdismä1c Cdas Lied von Hamdir, dem Sohne GudrunsJ, 
k,Gudrunar hvöte CGudruns Rache: und Wehruf;1J. Endlich ist unter 
den Heldengesängen der Edda noch zu betonen die pVö1undarqvidac Cdas 
Lied von dem kunstreichen Schmied Wölund, WielandJ, welche Simrock in 
unseren Tagen so trefflich erneuerte CHeldenb. 4, 1s204J. 
Im Verlause der Zeit nahm die altskandinavische Epik immer ents 
schiedcner eine historische Richtung und Verwandte Mythus und Sage mehr 
nur noch als beiläufigen dichterischen Schmuck. Jn dieser Art wurde die 
Heldendichtung gehandhabt von den Skalden, die zu Fürsten und Volk im 
Norden etwa in demselben Verhältnisse standen wie die Minstrels in Alt: 
England. Die eigentlich produktive Thätigkeit der Skalden reichte vom 
Ende des achten bis zum Ende des elften Jahrhunderts; der reichste Flor 
der Skaldendichtung fiel jedoch in7s zehnte Jahrhundert. Für den ältesten 
geschichtlich beglaubigten Skalden gilt Bragi der Alte und außer ihm 
haben ein namhaftes Andenken hinterlassen Thiodolf von Hwin, Thors 
biörn Hornklofi, OelvirVHnufa, Audrun, Eigill Skalagrimss 
son, Kormak Oenundarson, Einar Helgason Skalaglam, Guts 
tormr Sindri, Glumr Geirason, Ulfr Uggason, EiliffGudru: 
narson, Eivind Skaldaspillir, Thorleifr Jarlaskald, Grün: 
laugr Ormstunga, Thordr Kolbeinsson, Hallfrödr Vandräs 
das kald. Anfänglich waren die Skalden Helden, welche die Schlachten der 
Seekönige mitfochten und dann befangen, später aber schlossen sie sich mehr 
zu einer Zunft zusammen, welche das Dichten und Singen als Beruf trieb 
und vielfach zur Höflingslobhudelei erniedrigte. Jn Jsland hielt die Skals 
denpoesie am längsten einen würdigen Ton. Sie zerfiel, als durchaus im 
skandinavischen Heidenthum wurzelnd, sobald durch Olaf Trygvason das 
Christenthum in Skandinavien eine feste Begründung erhalten hatte, und 
verknöcherte zuletzt in unerquicklich verkünsteltem Formelwesen, ungefähr M 
der Art, wie der deutsche Minnegesang im Meistergesang erstarrte. Der 
Versarten, deren die Skalden sich bedienten, zählte man 136; den EndreiM 
führte, jedoch noch zunächst ohne Verdrängung des Stabreims, der Skalde 
Einar Skulason um 1150 zuerst in die nordische Dichtkunst ein. 
Die Skaldenpoesie bildete vermöge ihres Strebens nach geschichtlichEV 
Wahrhaftigkeit den Uebergang zu der isländischen Gefchichtschreibung, welches 
durch Ari Thorgilss on ist. 1148J begründet, sehr reichhaltig ist. Ihre 
I; Vgl. Die Eddalieder von den Nibelungen, verdeutfchi von v. d. Hagen, 1814. Die 
Lieder der Edda von den Nibelungen, stabreimende Verdeutschung nebst Erläuterungen Von 
L. Ettmüller, 1837. 
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