Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-500055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-503866
Niederlande. 
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zu Grunde liegen, ist ,,LuciferU Cdeutsch von GlimmertJ die bedeutendste 
und Vondel hat darin den Stoff Miltons vierzehn Jahre vor Milton in 
wirklich erhabener Weise behandelt; unter den letzteren nimmt den ersten 
Rang ein das Nationalschauspiel :;Gysbrecht van Aemste1e Cdeutsch von 
WildeJ, dessen alljährlich wiederholte Ausführung noch immer die patriotische Be: 
geisterung der Holländer erregt, obzwar in mehr und mehr gedämpster Weise II. 
Versuchte in Vondel die niederländische Muse einen höheren Flug, so 
blieb sie hinwieder in den die Vorkommnisse des alltäglichen Lebens mit 
behaglicher Breite behandelnden, didaktischen und beschreibenden Gedichten 
von Jakob Cats  vollständig in der .Holländerei haften. 
Cats wurde desshalb auch für nahezu ein Jahrhundert der Lieblingsdichter 
seines Volkes und seine Lehrgedichte, Allegorieen und Erzählungen, die alle 
fast immer in einander eingreifen, waren unter dem Gesan1mtnamen ,,Vater 
Catsens Buch0 während des 17. und während der ersten Hälfte des 18. 
Jahrhunderts nach der Bibel die populärste Lektüre der Niederländer. Er 
hat wirklich den kleinbürgerlichen, an großl1lumigen Schlafröcken, gemalten 
Theetassen und gemüthlich da1npfenden Thonpfeifen sich erfreuenden holländi: 
schen Geschmack von dazumal getroffen wie kein anderer. Schon seine gereimte 
Selbstbiographie beweist, daß er jeder Zoll ein Holländer seiner Zeit war J. 
II De Werken van V0nde1 in verband gebracht met zijn leven, c1oor Mr. Jacob 
van Lennep. 12 Bde. mit Porträts, Facfimiles, Jllustrationen, 1855ss69. A. Bau m: 
gartner, S. J. ,,Jooft var: Vondeltl, sein Leben und seine Werke, 1882. 
II Man höre nur die Schilderung, welche Cats von dem Verlauf feiner Jugendliebe 
entwir t: 
f ,,Zu Middelburg ich einst in die franzöfifche Kirche ging 
Und da entstand in mir ein wunderseltfam Ding. 
Ich fah ein Mädchen dort, als ich die Predigt hörte; 
Der Minne Brand alsbald fich wild in mir empörte. 
Sie schien mir wundersc;ön, über die maßen fein, 
Ich fühlt, es wie ein Feu7r, es drang durch Mark und Bein. 
Ich war dann aus der Kirch7 zurück nach Haus gekommen; 
Wo diese Jungfrau wohnt, das hatt7 ich schnell vernommen. 
Da schrieb ich ihr sogleich einen hübschen Minnebrief 
Und fandti ihn in der Eil, dem neuerwählten Lieb. 
Ich bat sie schriftlich drin, ließ es die Jungfrau wissen, 
Vor ihrer Thür zu sein des Abends nach dem Essen, 
 Denn sie zu sehen dort war ich so voll Begier, 
 Um huldvoll meinen Dienst gleich anzutragen ihr. 
Die Jungfrau that auch so, wie ich7s ihr angegeben, 
Und hat zu rechter Zeit sich vor die Thiir begeben. 
O, welche Freude ich, als ich sie sah, empfand, 
Es war mir, als ob mir der Himmel offen stand. 
Da bracht ich an den Tag nichts als gar schöne Worte, 
Beseht an jedem Rand mit Gold: und Seidenborte; 
Und kurz, mit einem Wort, ich habe sie geehrt
        

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