Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-500055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-503753
336 
1ll. 
Buch 
Kaps 
mit Auszeichnung zu nennenJ, Hanns Hoffmann C,,Der HexenpredigerU, 
.,Jm Lande der PhäakenU, ,,Vrigitta von WisbyUJ, H. Trautmann 
C,,Eppelein von GailingenH u. a.J, sowie die Novellistinnen E. Marlitt, 
Klara Bauer CKarl DetlesJ, Ottilie Wildermuth, Eliza Wille, Klara 
von Sydow, Luise von Franc;ois, Wilhelmine von Hillern, Marie 
von Ebner:Eschenbach, Helene von Hülsen und Sophie Junghans. 
Unter den erwähnten Erzählen: allen gilt Spielhagen für den bedeutendsten 
Erfinder und Stilisten. Seine Romane C,,Problematische NaturenH, ,,Durch 
Nacht zum LichtU, ,,Jn Reih7 und GliedU, ,,Hammer und AmboßU, ,,Spring: 
flutU u. a.J erweisen in der That ein ernstes Streben nach Knnstvollendung. 
Wer aber, unbetäubt von den Posaunenstößen der lieben Kameradschaft, diese 
Erzählungen unbefangen prüft, dürfte finden, daß die erste in der Reihe 
derselben die beste geblieben sei. An weitreichender Beliebtheit in allen, vor: 
zugsweise norddeutschen, Schichten der Lesewelttrug es über die Genannten 
weit davon der mundartliche Erzähler Fritz Reuter C1810ss74, Sämmtl. 
Werke, 15 Bde.J, welcher im mecklenburger Plattdeutsch schrieb und durch 
eine rasche Aufeinanderfolge seiner realpoetischen, drastisch:hu1noristischen und 
doch vom idealistischen Goldschimmer überhauchten Erzählungen in Versen 
und Profa C,,Läuschen und RimelsH, ,,Reis7 na BelIigenU, ,,Kein HüsungU, 
,,OlIe KamellenU, ,,Ut mine FestungstidH, ,,Ut mine Stromtid0 u. a.J dem 
Heißhunger seiner Bewnnderer und Bewunderinnen kaum genugthat. Er 
hat einige typische Gestalten geschaffen, vor allen die des ,,EntspektersU Bräsig. 
Die vollendetste seiner Erzählungen ist die Novelle ,,Ut de FranzosentidH. 
Ob aber dieser ,,norddeutsche Hebeln, wie man Reuter ja wohl genannt hat, 
obzwar nicht sehr zutresfend, so lange ausdauern werde wie der süddeutsche, 
ist fragwiirdig O. 
Die Summe unserer Betrachtung der dichterischen Hervorbringuug 
Deutschlands in der 2. Hälfte, ja wohl während des ganzen Verlaufcs des 
19. Jahrhunderts ist, daß dieselbe unserem literarischen BesiHthum unzweis 
felhast viel Geistvolles, Bedeutendes und Schönes hinzugefügt hat. Solche 
,,Menschengeschicl bestimmendenU Werke, wie uns zu ihrer Zeit Lessing, Göthe 
1md Schiller schufen, hat sie freilich nicht zuwegegebracht. Der tiefrealistische 
Hang und Drang unserer Zeit ist ja überhaupt so großartigen idealiftischen 
Schöpfnngen hinderlich und abgiinstig. Sodann haben es die Zeitverhälts 
nisse mit sich gebracht, daß die Literatur aus einer freien Kunst ein Gewerbe, 
ein Geschäft, eine Industrie geworden ist, welche mehr rastlos rührige ,,HändeU 
als bedächtig schasfende Köpfe oder gar vollends Charakterköpse verlangt und 
braucht. Diese Industrie kommt den Bedürfnissen und Forderungen eines 
O. Glagau: Fritz Reuter, s. Leben 
Reuter, s. Leben und f. Werke, 1874. 
XI Zu vgl. 
Ebert: Iris 
und 
Dichtungen, 
As 
1875.
        

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