Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-500055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-503058
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Buth 
l1l. 
Kaps 
1809J, der in seinen in der nürnberger Mundart verfassten Gedichten das 
spießbiirgerliche Leben allerliebst idyl1isch schilderte. Den nämlichen Dienst 
erwies der liebenswürdige, auch in der Ballade bedeutende J. M. Usteri 
 dem bürgerlichen und landpsarrlichen Leben feiner Heimat im 
züricher Dialekt C,,Der VikariUJ. Der unverwelklichste Kranz mundartlicher 
Dichtung gebührt jedoch Johann Peter Hebel Cgeb. am 10. Mai 1760 
zu Basel, gestorben am 22. September 1826 zu SchweHingenJ, der in seinen 
,,Allemansnischen GedichtentI C1803J, wie Göthe treffend sagte, das ,,ganze 
Universum auf die anmuthigste Weise verbauert hatH. Kein moderner Jdyllen: 
dichter kommt ihm an Naturwahrheit, Naivität, Frische und Treuherzigkeit gleich 
und sein Gedicht ,,Die Wiesen ist und bleibt die Perle der deutschen Jdyllik 
CHebels Werke, Z Bde. 1847J. Schillers Räuber haben die Erstlingsdramen 
von H. Zs chokk e  zu verantworten C,,AbällinoH u. a.J. Später 
wandte sich Zschokke, der sich um die Schweiz bekanntlich vielfach staats: 
männische und publicistische Verdienste erworben hat, zur Volksschriftstellerei 
C,.Das Goldmacherdorfss u. a.J und zur Novellistik, in welcher ihm die komisch 
gefärbte Erzählung mitunter ganz vortrefflich, weniger dagegen der historische 
Roman ä1a Scott gelang. Jedenfalls gehörte er zu den beliebtesten unserer 
Erzählen Bekanntlich war er aber auch Verfasser der ,,Stunden der An: 
dacht0, eines Buches, worin die Grundsätze und Anschauungen des deutschen 
Rationalismus zu einer sehr wässerigen Suppe ausgekocht wurden; allein 
diese Wassersuppe hat Hunderttausenden sehr gut geschmeckt und dieselben, 
als ein Hungerkurmittel so zu sagen, vom Orthodoxie:Delirium geheilt. 
Von Zschokke7s Memoiren C,,Eine SelbstschautsJ ist der erste Band als ein 
Beitrag zur inneren Geschichte der Zeit werthvoll. An Jean Paul lehnten 
sich die beiden Humoristen, der ungezwungen heitere Ulrich Hegner C1759 
bis 1840J, ,,Die Molkenkurts  ,,Saly7s RevolutionstageUJ und der geistvolle, 
Fa1lend und wieder gehoben, ein Spiel des feherzenden Zephyrs, 
Immer, wenn kaum es die Welle berührt mit der züngelnden Spitze, 
sinkt es zurück, flammt scho11ernd empor und flattert am Himmel: 
Also schwebt in der wehenden Luft der ätherifche Gießbach, 
Mannigfaltig bewegt, vom Rande der ragenden Felswand 
Hoehabwallend, gefangen im Fall, nun hierhin und dorthin 
Flatternd, ohne den Grund mit dem flutigen Schweif zu berühren. 
Oben erfcheint er als Strom, ein der Luft entftürzender Meetfchtvall, 
Hoch in der Mitt7 ein Gewölk und unten ein n1eißlicher Nebel; 
Dann in der Tiefe hinab des hundertklaftrigen JähfallS 
Löf7t sich die Woge verdünnt zur Wolk7 und verdunftet als Rauchdampf. 
Nur hoch oben donnert er stets und droht in dem Herfturz 
Alles mit reißender Flut zu verfchtvemmen; allein es verwandelt 
Sanft sich in Milde die Wuth und er netzt staubregnend das Hüglein, 
Daß auch die zarteften Kräuter des Frühlings unter ihm aufblüh7n.7s
        

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