Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-500055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-502658
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1ll. 
Buch 
bkVgMPhie .,HeiUVith StiUiUgs Jugend, Jünglingsjahre, Wanderschaft, 
häusliches LebensI C1877 fg.J übrigens merkwürdig bleibt als ein Vorläufer 
der modernen deutschen DorfnovelIistik. Die romanhast geschriebene Selbst: 
biographie von Jungs Zeitgenossen K. Ph. Moritz C1757ss1793, ,,Anton 
Reiser0J ist ein psychologisches Gemälde, welches großes Interesse erweckt. 
Einen tüchtigen Anlauf zum humoristischen Roman nahm J. K.sWezel 
 in seiner ,,Lebeusgeschichte Knauts des WeisenH. Th. G. von 
Hippel  suchte in seinen in Sternes Manier gehaltenen No; 
manen C,,Lebensläufe in aufsteigender Linie0, ,,Kreuzs und Querzijge des 
Ritters A bis ZU, wie in seinen Abhandlungen ,,Ueber die bürgerliche 
Verbesserung der WeiberU und ,,Ueber die EheU die revolutionären Ideen, 
welche damals Wissenschaft und Leben bewegten, mit der schönen Literatur 
in Beziehung zu setzen, ohne hüben und drüben recht über den Dilettantiss 
mus hinauszukommen. Vielseitiger, tiefer und formschöner ist der Humor 
von M. A. von Thümmel  Seine Erstlingsfchriften sind 
nachgeahmte, so das komische Epos in Prosa ,,WilhelmineU, welches an 
Zachariä, so die komische Erzählung ,,Die Jnokulation der Lieben, welche 
an Wieland erinnert. Aber eigenthümlich und bedeutend ist Thümmel in 
seinem hutnoristischen Reiseroman ,,Reisen in die mittäglichen Provinzen 
von Frankreichs C1791 fg. 10 BändchenJ, welcher jedenfalls zu den Liebs 
lingsschöpfungen des deutschen Humors gezählt werden muß. Ein vule 
kanisches Feuer der Sinnlichkeit brennt in Wilhelm H eins e7s  
Romanen C,,Ardinghellots, ,,Hildegard von HohenthalU, ,,LaidionUJ, welche 
die Gegensätze von Natur und Kunst zu versöhnen, die antike Begeisterung 
für schöne Form mit dem leidenschaftlichen Pathos der Romantik zu vers 
mählen suchen. Beachtenswerth ist der berühmteste dieser Romane, der 
Ardinghello, auch darum, weil er in einem dem Geiste der Sturm: und 
Drangperiode unserer Literatur ganz gemäßen Versuch ausläust, einen Staat 
zu gründen, wo Freiheit, Natur und Schönheit das Skepter führen. Hier 
taucht also schon der große Gedanke auf, welchem wir bei Schiller in be; 
stimmterer Form begegnen werden, der Gedanke, an die Stelle der morc1s 
lischen Erziehung des Menschen die ästhetische zu set;,en.1J Einen Nachzüglek 
der Wieland:, Hippel:, Thümmel7schen Anschauung, Auffassung und Aus; 
drucksweise erkennt man in Karl Julius Weber  welcher im 
Sinne der Aufklärung über ,,Möncherei0 und ,,RitterwesenU schrieb, drum 
in seinen ,,Briefen eines in Deutschland reisenden DeutschenU  
den ihm selber wie dem Publikum zusagenden humoristischen Ton fand Und 
endlich seinen Landsleuten eine Sammlung von Essays vermachte, welche 
H Vergl. über Heinse G. Söhober: Johann Jakob Wilhelm Heinse. Sein Leben 
und seine Werke, 1882. Sämmtliche Sdhriften, herausgeg. von H. Laube, 10 Bde., 1838
        

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