Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-500055
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-502633
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lll. 
Kaps 
fpruch rechtfertigte, als ein Schössling lessing7scher Dramatik zu betrachten. 
Mit Klopstoek und Wieland hatte die Nachahmung leichteres Spiel. An 
die biblische Dichtung des ersteren, dessen Richtung besonders in Nieder: 
deutschland und in der Schweiz wirksam sich erwies, lehnte sich der als 
Maler und Kupferstecher ausgezeichnete Landsmann Bodmers, Salomon 
Geßner  mit seinem religiösen Jdyll ,,Der Tod Abelsss, an 
welchem, wie überhaupt an Geßners völlig naturloser, aller Jndividuali: 
sirung er1nangelnder Idyllik, die leicht und anmuthig fließende Prosa das 
Beste ist. Auch Johann Kafpar Lavater  zeigt sich, wo er 
als Poet auftritt, als ein Vasall Klopstocks. So nach der vaterländifchen 
Seite hin in seinen ,,SchweizerliedernU, nach der religiösen in seinem fiirch: 
terlich langweiligen Poem ,,Jesus MessiasII, einer Spätfrucht der klopstock7schen 
Messiade, welche zu einer Zeit C1783J erschien, wo man von den Patris 
archaden nichts mehr wissen wollte. O. Einen Dichter von ganz anderem 
Schlage hat Klopstocks patriotischer Freimuth geweckt in Christoph Daniel 
Friedrich Schubart  Der war ein außerordentlich genialer 
Mensch, für Musik und Poesie gleich reich begabt, und hat es doch eigentlich 
nur zu Anläufen gebracht, mitunter jedoch zu großartigen, wie seine Rhaps 
sodie ,,Ahasverss zeigt. Druck der Armuth und Leichtsinn verdarben ihm 
die frischesten Jahre, und bevor er sich zusammenzunehmen vermochte, brach 
ihm die Tyrannei eines deutschen Duodezdefpoten Leben und Talent. Als 
er nach zehnjähriger, völlig wilIkiirlicher Haft und Misshandlung  
seinen Kerker auf dem Asperg verließ, war sein Geist so versumpft, daß 
ihn fein Verderber zum Hofpoeten geeignet fand. Sein Dichten gipfelte 
in der berühmten Strafode ,,Die FürstengruftH. Sein ,,Kaplied7t, einige 
seiner Liebeslieder und Elegieen, wie seine natursrischen Bauernlieder, ver: 
rathen überall den Dichter, aber im Ganzen ist ihm das wesentliche Thau 
echter Poesie, ,,dem realen Stoff das ideale Gepräge aufzudrückenU, nicht 
gelungen. J Heinrich Wilhelm von Gerstenberg  folgte 
in seinem ,,Gedicht eines SkaldenH, worin er die Götterwelt der Edda eins 
führte, ebenfalls den Spuren Klopstocks. Wie aber Schubart durch seine 
drangvolle Freiheitslyrik sich zu den ,,Drängern und StürmernsI gesellte, 
so auch Gerstenberg durch seine Tragödie ,,UgolinoH, welche die berühmte 
II Es wird weiter unten noch von Lavater die Rede sein. Vgl. Bodemann: J. Ks 
Lavater, sein Leben, Lehren und Wirken, 1850. Munk: G. C. Lavater, 1884. 
2J Vgl. Schubatts Charakter von seinem Sohne L. Schubert, 1798. Schubarts 
Leben in seinen Briefen, von D. F. Strauß, 2 Bde. 1849. Chr. Fr. D. Schubart its 
seinem Leben und in seinen Schriften von Gustav Hauff, Stuttgart, 1885. Schubart5 
Journal ,,Die deutsche Chroniks C1774 fg.J, wie seine in: Kerker aufgesetzte SelbstbiogMPhik 
C2 Bde. 1792ss93I liefern wichtige Beiträge zur Sitten: und Kultutges6hichte desI8.Jl1hkH 
hunderts. SchubartZ scimmtl. Werke, 8 Bde.i1839 fg.
        

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