Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-495684
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Nuhbarmachung der reichen Wasserkräfte zur Grundlage des ackerbaulichen, 
soeialen, technischen und künstlerischer: Vorschritts.  
Das Schicksal von Niniveh und Babel bezeugt großartig die Eitelkeit 
menschlicher Herrlichkeit. Seit 2400 Jahren war das prächtige Niniveh unter- 
gegangen, versunken, verschollen  so verschollen, daß sogar der PlaZ, wo 
die Stadt gestanden, den Un1wohnern unbekannt gewesen. Der Ort, wo 
Babel gestanden, deren Pracht zu den Wundern der alten Welt gehört hatte, 
war allerdings bekannt geblieben; allein der Plakz war zu wüster Wildniß 
geworden, welche nur mittels der riesigen Masse von Backsteinen und Scherben, 
womit zu beiden Seiten des Euphrats der Boden meilenweit besät ist, vom 
vormaligen Dasein der alten Wunderstadt Zeugniß gab. In dieser Oede 
nun haben die seit 1843 durch Botta und Layard veranstalteten Ansgra- 
bungen und gemachten Fünde der sprachlichen nnd geschichtlichen Forschung 
eine neue Domäne erworben. Etwa 5 Wegstunden von Mosul entfernt, 
nahe der Mündung des Zab in den Tigris, auf einer vor Jahrtausenden 
von Fruchtbarkeit strohenden, seht aber schon seit Jahrhunderten verwilderten, 
baumlosen Ebene, deren Eintönigkeit nur durch einen da und dort auf- 
ragenden Erdhügel unterbrochen wird, haben die Nachsuchungen und Aus- 
grabungen begonnen und namentlich in der Nähe der elenden Beduinen- 
dörfer Nimrud, Khorsabad und Kujnndschik iiberraschende Resultate erzielt. 
Massenhaste Ueberreste weithingedehnter Paläste und Kunstwerke höchst eigen- 
thümlichen Stils wurden von dem Schutt, welche mehrere Jahrtausende auf 
sie gehäuft, befreit und der archäologischen, sprachlichen und historischen 
Untersuchung bloßgelegt. Für das älteste der bis jetzt entdeckten und auf- 
 gegrabenen Denkmäler gilt der große sogenannte Nordwestpalast von Nimrud, 
als dessen Erbauer die Jnschriften den König Assarakbal (zwischen 900-800 
v. Chr.) nennen. Die bei Kujundschik und Khorsabad bloßgelegten Bau- 
werke sind nicht nur mit zahllosen Jnschriften bedeckt, sondern sie enthielten 
auch in eigens dafür bestimmten Räumen ganze Bibliotheken, d. h. Ala- 
basterplatten und Thontafeln von verschiedener Größe, auf welchen in 
Bildern und in Keilschristzügen die Denkwürdigkeiten des alt- und neu- 
assyrischen Reiches verzeichnet sind. Wetteifernd und mit großen Erfolgen 
haben sich englische, französische und deutsche Sprach- und Geschichteforscher 
(Rawlinson, Smith, Vaux, Talbot, Lenormant, Burnouf, Oppert, Grotefend, 
Lassen, Venfey, Brandis, Niebuhr d. J., Schrader, Hommel) an die Ent- 
ziffernng und Erklärung dieser eigenartigen Schristdenkmäler gemacht. 
In literarischer Hinsicht ist nun unter den gelungenen Entdeckungen 
und Entzifferungen insbesondere die von Werth, welche den Beweis erbringt, 
daß, was bis dahin bestritten worden, auch die Semiten ein Epos geschaffen 
haben. Dieser Beweis ist die aus der Keilschristenbücherei des Königs 
,,vom Lande Assnr" Asurbanihabal (Sardanapal, 667-625 v. Ehr.)
        

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