Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-499357
Spanien. 
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war die politische Kraft Spaniens innerhalb der Landesgränzen in Be- 
kämpfung der Moriskos zufammengefaßt und die Poesie hatte sich aufs innigste 
mit diesem Kampfe verwoben; sie hatte Großes auf beschränktem Boden 
vollbracht, nämlich die Schöpfung ihrer kostbaren Romanzen, die im Norden 
das Thal von Roncesval, im Süden Granada als Mittelpunkte besaßen; 
jegt aber. entfalteten die spanischen "Heere ihre Banner in allen Ländern 
und ließen die spanischen Flotten ihre Flaggen an allen Küsten wehen, und 
siehe da, auch die spanische Poesie fah sich nach fremden Erwerbungen um. 
Allein in ebendemfelben Grade, in welchem sie an Reichthum und Viel- 
seitigkeit gewann, biißte sie an Charakter ein. Die spanische Politik blieb 
sich überall gleich, blieb national-spanisch. Nicht so die Literatur: sie wurde 
in dieser Periode eine nachahmende. 
Hauptvorbild dieser Nachahmung ward und blieb, neben der Klasfik 
des Alterthums, die italische Literatur. Die politischen Ereignisse der Zeit 
hatten viele Spanier nach Venedig, Florenz, Rom und Neapel geführt, wo 
sie die Schätze der 1?alischen Poesie kennen lernten und die Kenntniß und 
Bewunderung der Dichtungen Dante"s, Petrarca"s, Boccaccio"s und anderer 
mit in ihre Heimat zurücknahmen. UeberfeHungen bahnten -der Nachahmung 
derselben den Weg. Jtalischer Stil und italische Formen wurden herrschend 
Und verdrängten die einheimischen Stoffe und Versmaße, jedoch nicht in 
fVIchem Grade, daß das Nationale nicht noch immer einiges Ansehen be- 
halten hätte und von bedeutenden Dichtern, wie z. B. von Christoval de 
Castillejo (1490-1556), gegen die Ausländerei vertheidigt, ja sogar von 
Anhängern der neuen Schule selbst geschätzt worden wäre. Als Stifter 
dieser Schule, mit deren Thätigkeit die Spanier das klassische Zeitalter ihrer 
Literatur eröffnen, ist Juan Bos can Almogaver anerkannt, dessen Leben 
in den Zeitraum von 1490-1540 fiel. Boscan schrieb seine Jugendgedicl)te 
Noch im Stile der altspanifchen Cancioneros, ließ aber denselben fallen, als 
St mit der italischen Poesie bekannt geworden. Den Uebergang zur Manier 
derselben machte er durch seine freie Uebersetzung von des Musäos ,,Hero 
Und Leander" und dichtete dann petrarkaisch geformte Sonette und Canzonen, 
die jedoch von echtspanischer Glut der Empfindung erfüllt sind. Auch die 
Ottave rime führte er durch seine reizende lyrisch-epische Allegorie ,,Das 
Reich der Liebes' in Spanien ein, und daß er neben den Jtalienern auch 
die Alten, besonders den Horaz, studirte, beweisen seine poetischen Episteln. 
Seine gesammelten Werke erschienen zuerst 1543 und zwar in Lissabon (l.as 
Oh:-as de Boscan) Boscan zunächst steht fein Freund Garcilaso (eigentl. 
Garcias Laso) de la Veg a (1503-1536), dessen außerordentlich zarten und 
Omnuthsvollen Gedichten nicht anzusehen ist, daß er sein Leben meistens im 
Heerlager verbrachte und, im Feldzug von 1536 bei der Erstürmung eines 
Thurmes unweit Mars-:ille am Kopfe verwundet, den Tod eines tapferer!
        

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