Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-498917
Jtalien. 
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terisirte, als er von pendantischer Nachkünstelung der Alten frei ist. Seine 
Lyrik entquillt wirklich dem Herzen und die einfache, kernige Sprache, in 
welche er seine männlichen Gedanken hüllt, verstärkt noch den imponirenden 
Eindruck derselben. Die Jtaliener der Neuzeit, welche sich um die politische 
und ethische Wiedergeburt ihres Vaterlandes mühten, waren diesem Dichter 
den ehrfurchtsvollsten Dank schuldig; denn mitten in der Sklavenhaftigkeit 
und Verworsenheit des 17. Jahrhunderts erhob er seine tönende Stimme, 
Um seine Landsleute aus dem Rausche der Sinne und Sünde, der sie be- 
fangen, zu wecken und ihnen seine schmerz- und zornvolle Begeisterung für 
das schöne nnd unglückliche Heimatland einzuflößen. Filicaja hat seine 
Gedichte unter dem einfachen Titel -)Poesje Toscanee gesammelt. Am 
größten ist er als politischer Dichter. Unter seinen politischen Gesängen 
befindet sich das berühmte Sonett -1ta1ia! Ita1ia!(- nicht nur unzweifel- 
haft das gediegenste Produkt der italischen Poesie im 17. Jahrhundert, 
fvndern nach meinem Gefühle das edelste Kleinod der italischen Lyrik über- 
Haupt. Selbst ein Byron getraute sich nicht, es zu übertreffen, sondern 
vermochte es nur zu übersetzen (im Childe Harold, C. 4, St. 42)1). Aber 
1) -)lialia! Italia! O tu cui feo la Sorte 
Dono inkelice di l)ele22a, ond"l1ai 
    
c11e in Ironie scriti per grau doglia po1-te. 
Deh f0ssi tu met) helle, o almen pii1 for-te! 
0nde asSai pii1 ti paventasse, o asSai 
T'amasse man cl1i del iuo helle ai rai 
Pa1-, ehe Si sit-ugga, e pur ti stida a morte. 
Obiz gii1 dall" Als-)i non vedrei tot:-enti 
Scender d"akmati, ne de sangue tinta 
Bever Fonds del Po Gallici akmenti.  
Nie te ved1-ei del non tue ke1-to (-inia 
Pugnar col l)raccio di straniere genti, 
Pers set-vir semp1-e, o vit1cjtrice o vint.a.sc 
Ri(ht bald hat sich Gkies im Verdeutschen südlicher Poesie so meisterlich erwiesen, 
als er es dureh die nadhstehende Uebersetzung des köstlichen Sonetts gethan. 
,,Jtalia! o du, auf deren Auen 
Der Himmel goß unsel"ger Schönheit Spenden, 
So dir gebracht als Mitgift Leid ohn" Enden, 
Das klar geschrieben steht ob deinen Brauen. 
Mi5ä)t" ich dich minder schön und stärker schauen! 
Damit mehr Furcht und minder Lieb" empfänden 
Die, so nach deinem Reiz sich schmachtend wenden 
Und dennoch dich bedroh"n mit Todesgrauen. 
Nicht strömen säh" ich von den Alpen weiter 
Bewaffnet Volk, nicht mit den blut7gen Wogen 
Des Po sich tränken Gallien3 Roß und Reiter;
        

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