Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Allgemeine Geschichte der Literatur
Person:
Scherr, Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-494321
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-498880
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Buch l1. Kap. Z. 
(vRimec) offenbare-n die großen Eigenschaften des Dichters, Glut und Tiefe 
des Gefühls, erotische und religiöse Jnnig"keit-und ritterlichen HoOsinn über- 
all, wo er sich von dem ankältenden Einfluß der Schule Petr"arca"s freizu- 
halten weiß, und so kann man sagen, daß Tasso, wie als Epiker, so auch 
als Lyriker, die Vollendung und den Schluß der mittelalterlichen Romantik 
seines Landes bezeichne. Die Lyrik der Jtaliener des 16. Jahrhunderts 
nahm schon frühe didaktische und satirische Elemente in sich auf. So  geht 
neben der Erotik in Ariosto7s lyrischen Gedichten ein allegorisch-lehrhafter 
Ton her und in Machiavelli"s Capitoli ruht auf diesem der Hauptakcent. 
Die eigentliche Didaktik, das beschreibende Lehrgedicht, hatte sich an dem 
Studium von Vergils Georgiken großgenährt und nach diesem Muster schrieb 
Giovanni Rucellai, den wir früher als Tragiker nannten, sein Lehr- 
gedicht von der Bienenzucht (-Le  welchem die Jtaliener im didak- 
tischen Fache nur des vielseitigen Luigi Alamanni Gedicht vom Landbau 
(-)De11" agricolturacc) vorziehen. Unter den Vertretern der höheren Satire 
dieser Periode ist Pietro Nelli hervorzuheben, der den Ariost, Alamanni 
und andere an satirisi-her Kraft weit übertraf, während unter den Satirikern 
der folgenden Periode dem berühmten Maler Salv ato re R o s a (1615-1673) 
eine EhrenstelIe gebührt. 
Dritte Periode der italifkhen Literatur. 
Wir haben die Blüthezeit der älteren italischen Literatur hinter uns und 
jetzt zunächst von dem Verfall derselben, welchen sie im 17. Jahrhundert er- 
lebte, zu berichten. Der nationale Sinn lebte nur noch in wenigen edleren 
Herzen, die Masse des Volkes schleppte stumpssinnig die geistigen Ketten, wo- 
mit es eine alles höheren Gehaltes bare, in tiefster E-ntsittlichung schwelgende 
Kirche? belastete, wie die politischen, worein seine zahllosen Tyrannen es 
schniirten. Gedankenloser Sinnengenuß war die Losung des Italieners und 
mußte es sein. Die Kunst bequemte sich diesem Zeitgeschmacke und erniedrigte 
sich dadurch natürlich immer mehr. Die Wissenschaft und die Gelehrsamkeit 
führten in Schulen und Akademieen, von denen die florentinische ,,DeIla 
Crusca" und die römische der ,,Arkadier" die berühmtesten waren, ein vege- 
tirendes Dasein und gingen durch Pedanterei und subtile Abgeschmacktheit 
alles wohlthätigen Einflusses auf Leben und Literatur verlustig. Dem philo- 
sophischen Genius Jtaliens, welcher sich im 16. Jahrhundert in Giordano 
Bruno und anderen so freiheitheischcnd geregt, hatte der flammende Holz- 
stoß die Fittige so sehr versengt, daß er sich nie wieder zu kühnem Auf- 
schwung zu erheben vermochte; die kirchlich resormistischen Bestrebungen
        

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